Neueste Geschichte und Zeitgeschichte
print


Navigationspfad


Inhaltsbereich

Tagungsbericht: Holzversorgung als kommunale Aufgabe. Stadt und Wald im 18. und 19. Jahrhundert. Tagung am 5./6. April 2001 in Grainau

 "Holzversorgung als kommunale Aufgabe. Stadt und Wald im 18. und 19. Jahrhundert." So lautete der Titel einer umweltgeschichtlichen Tagung der DFG, die das Historische Seminar der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität im Rahmen des gleichnamigen DFG-Projektes am 5. und 6. April 2001 in Grainau/Oberbayern durchführte. Unter der Leitung von Prof. Dr. Wolfram Siemann (Abteilung Neueste Geschichte und Zeitgeschichte) trafen sich Wissenschaftler aus Deutschland und Österreich zum gegenseitigen Gedankenaustausch.

Schwerpunktartig konzentrierten sich die Vorträge auf den süddeutsch-alpenländischen Raum, wobei verschiedene Städtetypen in der Umbruchzeit vom 18. zum 19. Jahrhundert vorgestellt wurden, darunter der Typus der ständischen Stadt Klagenfurt, der geistlichen Residenzstädte Passau, Salzburg und Würzburg, der freien Reichsstädte Nürnberg und Regensburg sowie der Haupt- und Residenzstadt München. Analysiert wurde ferner der Funktionswandel stadtnaher Wälder vom frühneuzeitlichen Nährwald und Energielieferanten zum forstwirtschaftlichen Nutz- und Erholungswald der industriellen Epoche. Zudem konzentrierten sich die Vorträge auf die Frage, welchen Einfluß die Phasen großen Nutz- und Brennholzbedarfs (beispielsweise bei Großbauten, nach Großbränden oder langen und kalten Wintern) auf den Holzmarkt und damit auf Holzanbieter und Holzkonsumenten hatten. Über die eigentlichen umweltgeschichtlichen Aspekte hinaus ergaben sich neue Erkenntnisse im Bereich der politischen Geschichte, der Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, der Stadtgeschichte und der Armenversorgung.

”Waldnutzung, Holzversorgung und Parkbau im Passau des 18. Jahrhunderts” bildete ein Thema, dem sich PD Dr. Bernhard Löffler (Passau) widmete. Löffler skizzierte den Typus der geistlichen Residenzstadt, der ein eigenes Patriziat fehlte, die sich durch ihren Waldreichtum nahe der Stadt und die Lage an den Flüssen Donau, Inn und Ilz auszeichnete. Neben dem Neuburger Wald wies insbesondere das Abteiland eine dünne Besiedlung auf. Der Wald blieb, mit Ausnahme von Glashütten, sich selbst überlassen, wurde nicht systematisch genutzt und diente als Jagdwald. Bis Mitte des 18. Jahrhunderts fand kein eigentlicher Holzhandel statt. Erst das Anwachsen der städtischen Bevölkerung von 6000 auf 9000 Einwohner führte zu einer Intensivierung der Passauer Holzwirtschaft. 1762 entstand eine erste Forstordnung. Größter Holzabnehmer war die Stadt (Bürger und Einwohner) gefolgt von bischöflichen/geistlichen Instanzen. Eine Konkurrenz für die Bewohner und Gewerbe des Umlandes entstand nicht. Aufgrund der geringen Bevölkerungsdichte konzentrierte sich die Holzversorgung auf die Stadt. Das Passauer Handwerk verfügte mit Ausnahme des Schoppergewerbes (Schiffbau) und der Brauereien über keine größeren Gewerbe. Bauholz wurde v.a. für den Brückenbau und teilweise auch für den Hausbau benötigt. Stadtbrände führten hier zu einer Verordnung zum Bau von Steinhäusern.

Neben die stadtnahe Holzversorgung trat ab den 1720er Jahren die bis dahin verbotene Schwemmholztrift, deren Hauptschlagader die Ilz und der Triftkanal bildeten. 1760 entstand ein Holzmagazin, das Brennholz an- und billig verkaufte. Knapp 90% dieses Holzes kamen aus Bayern, der Rest aus dem Hochstift Passau. Ende des 18. Jahrhunderts trat ein Wandel im Umgang mit dem Wald ein. Aus dem Jagd- und dem Holznutzungswald wurde zeitweise ein ”Erholungswald”. Keine Rolle spielte der Landwirtschaftswald. Sichtbares Zeichen des ”Erholungswaldes” bildete der nach englischem Vorbild errichtete Park ”Freundenhain”, der den Passauer Wald in seine künstlich überformte Natur miteinbezog und der Freude und Bildung diente.

Dr. Christoph Sonnlechner (Wien) referierte zum Thema "Räumlich konzentrierter Verbrauch von Holz. Das Beispiel der Saline Hallein vom 16. bis 18. Jahrhundert." Sonnlechner, der im Rahmen eines Projektes zu "Umwelt und Verwaltung in der frühen Neuzeit" eine der bedeutendsten Salinen Mitteleuropas in Hallein untersuchte, gab den Anstoß, den Zusammenhang zwischen Salinenwirtschaft und städtischer Holzversorgung näher zu analysieren. Bereits 1524 war im Erzbistum Salzburg eine erste Waldordnung erlassen worden, deren nahezu einziger Zweck darin bestand, die Saline mit Holz zu versorgen, und die zugleich versuchte, andere Nutzungen zu unterbinden. Statt multifunktionaler Nutzungen sollte eine Nutzungsentflechtung herbeigeführt werden. Sogenannte Waldmeister erhielten die Aufgabe, Waldnutzungen und Rechtsverhältnisse zu beschreiben, schriftliche Nachweise über Rechtsverhältnisse beizubringen und einen Beständeüberblick aller Wälder anzulegen. Im Falle fehlender rechtlicher Nachweise sollten die Wälder an den Landesherrn fallen, der damit auf 'Reservewälder' bei Holzverknappung zurückgreifen konnte. Beachtenswert waren die frühen Ziele einer protoindustriellen Entwicklung: Nutzen- und Gewinnmaximierung. Noch im 16. Jahrhundert erfolgte die Anlage von Stockurbaren und die Neubestimmung des Einheitswertes. Die Waldordnung von 1592, die mit einigen Änderungen im 17. Jahrhundert auch 1713 noch gültig blieb, gibt Aufschlüsse über die Organisation der Holzversorgung des Salinenwesens. Neben der zentralen Oberstwaldmeisterei in Salzburg versahen Gerichte in Ämterkumulation die regionale Verwaltung der Unterwaldmeistereien, während die Untertanen als Waldhüter und Förster die unterste Ebene bildeten. Sie erhielten Ehrungen und Trinkgelder, jedoch keinen Lohn für ihre Arbeit. Private Holzunternehmer versahen Schläge und Bringung des Holzes. Der Holzeinschlag erfolgte im Herbst/Winter, die Trift, als nahezu einzige Transportmöglichkeit im Frühjahr. Mit Blick auf den Brennholzbedarf der Saline Hallein stand seit dem 16. Jahrhundert die Aufzucht von Nadelwäldern im Mittelpunkt. Holz, das weder von der Saline, noch vom Landesherrn genutzt werden konnte, stellte man der Bevölkerung gegen ein Entgelt zur Verfügung. Unrentable Flächen wurden gerodet und auf den Flächen Getreide angebaut.

Der Vortrag von PD Dr. Jörn Sieglerschmidt (Mannheim) widmete sich dem Thema "Holz als zentrale Ressource der Vormoderne - Der Holzbedarf frühneuzeitlicher Städte im Bodenseeraum." Sieglerschmidt lieferte einen grundsätzlichen umwelthistorischen Überblick über das vorindustrielle Gleichgewicht zwischen Ansprüchen und Ressourcenverbrauch, das vom Vorhandensein von Holz und Wasser wie der Verfügbarkeit von Stickstoff, Fetten und Eiweißen abhängig war. Mit Blick auf die Basisinnovationen des 19. Jahrhunderts wurde etwa der Energiebegriff zunehmend eingeschränkt, und es ließ die Bedeutung des menschlichen wie tierischen Muskels als energetischer Grundlage nach. Neben holzver- und gebrauchenden Gewerken verwies Sieglerschmidt v.a. auf das Holz als thermische Grundlage und die Existenz von über 50 Berufen, von denen über 20 erheblich vom Holz abhingen. Daneben wurde die regionale Differenzierung hervorgehoben, die mit Blick auf die unterschiedlichen Waldnutzungen städtischer und dörflicher Siedlungen keine generelle Beurteilung möglich macht. Im Gegensatz zum waldreichen Süden sicherten die norddeutschen Städte ihre Bau- und Brennholzversorgung durch Holzimporte aus Skandinavien und Rußland. Rund zwei Drittel der Kosten mußte eine Kommune für die Holzbeschaffung aufwenden.

Ein zweiter Teil beleuchtete die Situation im Bodenseeraum, wobei auf längere Rechnungsserien zur Organisation von Holzversorgung und -abgabe in Konstanz/Radolfszell eingegangen wurde. Besondere Bedeutung erlangte das Holz in Konstanz als Mittel der Landesverteidigung (Pallisadenbau). Erhaltene Zoll-Listen geben hier Aufschlüsse über die Verschiffung des Holzes im Konstanzer Einzugsbereich (Montfort’sches Gebiet um Tettnang). Anhaltspunkte über die Abgabe von Deputathölzern (Brenn- und Bauholz) zum verminderten Preis vermitteln sogenannte Holzentnahmeordnungen. Im untersuchten Gebiet existierten keine nennenswerten Großgewerbe, so daß die Waldflächen neben der Sicherung des Eigenbedarfs offenbar auch für Holzverkäufe genutzt wurden. Mit Blick auf den Hegau hat der Holzbedarf unter dem gelegen, was man hätte entnehmen können. Der Getreideanbau war der einzige Konkurrent des Waldes.

Martin Knoll, M.A. (Regensburg) skizzierte mit seinem Referat ”Regensburg, der Reichstag, der Kurfürst und das Holz im späten 18. Jahrhundert” den Typus der freien Reichsstadt und zugleich ein Territorium, das in seiner isolierten Lage und dem kleinen waldlosen Burgfrieden von der Wirtschafts- und Zollpolitik Bayerns abhängig blieb. Die Ressource Holz bildete ein Importgut, das v.a. aus der Region Kelheim und dem Bayerischen Wald herbeigeschafft wurde. Bayern kontrollierte die ”Donauschiene” und damit die reichsstädtische Holzversorgung Regensburgs. 20.000 Einwohner, darunter kaum produzierendes Gewerbe von überregionaler Bedeutung, waren der Be- und Verhinderung der Holzversorgung durch Bayern unterworfen. Handwerker, wie etwa Küfer, wurden an das Holzinspektionsamt Lechhausen (bei Augsburg) verwiesen. Die Mautordnung von 1765 brachte eine geregelte Einfuhr, führte jedoch zugleich zu einer Bürokratisierung und, ab 1767, zu einer systematischen Mengenerfassung und -reduzierung. Statt der innerhalb der Stadt gelegenen Holzlände trat mit der Errichtung des auf kurbayerischem Territorium gelegenen Rainhausener Holzhofes eine weitere Verschlechterung der kommunalen Holzversorgung ein. Hierzu gehörten: 3.000 Schritte Umweg, der Achstransport des Holzes über die Donaubrücke und die Reduktion von 40 auf 15 zugelassene Schiffer, die den Holzhof ansteuern durften. Bemerkenswert ist, daß Bayern auch Reichstagsgesandtschaften in der Holzversorgung blockierte, die von den Gesandtschaften errechneten Bedarfsmengen reduzierte, die Preise des Holzes diktierte und damit wohl versuchte, den Reichstag aus Regensburg hinaus zu drängen.

Über die ”Städtische Verfassung und Holzversorgung in Nürnberg um 1800” referierte Dr. Nils Freytag (München). Neben einer ”verknöcherten” Verfassungs- und Gesellschaftsstruktur der freien Reichsstadt fiel zahlreichen Zeitgenossen der schlechte Zustand der Nürnberger Reichswälder auf. Der stadtnahe Versorgungswald wie die zentrale Ressource Holz gerieten zum Brennpunkt eines Machtkonfliktes in dem reichsstädtischen Gemeinwesen. Die Auseinandersetzungen zwischen alteingesessenen stadtadeligen Familien und aufstrebendem Wirtschaftsbürgertum fanden statt auf den Ebenen von Waldgutachten, Forstverwaltung und in der Öffentlichkeit. Die reformorientierten Kräfte etwa vernahmen Forstpersonal und Bauern über den Waldzustand und verschafften sich einen eigenen Überblick. Langfristiges Ziel bildete die Steigerung der Ertragskraft des Waldes, wozu Holz gespart und Verschwendungen vorgebeugt werden mußte. Die Magistratsmitglieder wiesen dagegen auf das schädliche Handeln von Holzberechtigten und die Nebennutzungen hin; sie lehnten jede Verantwortung für den schlechten Waldzustand ab. Daneben rangen alle Beteiligten hartnäckig um die Kontrolle der städtischen Forstverwaltung. Den öffentlichen Streit um das Holz und den Wald dokumentieren Flugschriften und Pasquillen. Die nahegelegenen Versorgungswälder und das dichte städtische Kommunikationsnetz bildeten eine entscheidende Grundlage dieser herausragenden Breitenwirkung des Streites um das Holz.

Der Blick auf den Wald bietet neue Erkenntnisse über die Reichweite reformerischen Handelns einer Reichsstadt am Ende des Heiligen Römischen Reiches. Neben dem heiß umstrittenen Gegenstand der politischen Partizipation geriet der Umbruch in der städtischen Holzversorgung zum Brennpunkt öffentlicher Auseinandersetzungen und zum Fokus von Verfassungskonflikten im Interessengeflecht von städtischen Institutionen und staatlichen Akteuren.

Aus umweltgeschichtlicher Perspektive fällt die Waldentwicklungsbilanz des Nürnberger Verfassungsstreites keinesfalls nur negativ aus, lassen sich hier doch erste Ansätze einer obrigkeitlich gelenkten und gewollten Auf- und Umforstung nach modernen forstwissenschaftlichen Prinzipien ausmachen. Daraus resultierende soziale und gewerbliche Folgekosten sollte ein städtisches Holzmagazin auffangen.

Über ”Holznutzung in der Hofer Region im 18. und 19. Jahrhundert” sprach Dr. Arnd Kluge (Hof). Die Region, die vom 14. bis 18. Jahrhundert zum Gebiet der Burggrafen von Nürnberg gehörte, wurde 1810 bayerisch. Aufgrund schlechter ackerbaulicher Voraussetzungen herrschte der Waldbau vor. Das Tagebuch des Hofer Apothekers Wallburger aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts liefert erste Hinweise auf den örtlichen Holzhandel, wie den Verkauf von Holzkohle (aus rund 60 km Entfernung), Flößholz (aus Rehau und Schönwald) und Holz aus Bauernwäldern. Gehandelt wurde Bau- und Brennholz. Der Hausbau der Region bestand bis Ende des 18. Jahrhunderts großenteils aus Blockbauten. Erst 1810 wurde staatlicherseits die Steinbauweise geregelt. Größter Holzkonsument war der Bergbau. Während Steinkohlen exportiert wurden, erschloß man die reichen Torflagerstätten und die Braunkohle erst nach 1800. Gerechthölzer bildeten die Abgaben des Lehns-/Landesherrn an die Bevölkerung, wobei die Abgabe gegen einen Zins oder als Gnadenholz erfolgte. Die sogenannten ”Trüpfhäusler”, deren Grundstück mit dem Dachgiebel endete, verkauften häufig ihr Holzrecht und versorgten sich statt dessen mit Astholz und Reisig. Die Holz-Fernversorgung der Hofer Region erfolgte durch die Trift und ein System örtlicher Versorgungsgebiete (Frankenwald bis 20. Jahrhundert; Fichtelgebirge bis 18. Jahrhundert) Holzersatzstoffe wurden bis Mitte des 19. Jahrhunderts nicht verwendet. Erst der Eisenbahnbau ab 1851 und damit verbundene Steinkohlenimporte und die 1865 erfolgte Erschließung der tschechischen Braunkohle ermöglichten die industrielle Entwicklung des Raumes.

Prof. Dr. Winfried Schenk (Tübingen) analysierte die ”Versorgung der Stadt Würzburg im 18. und 19. Jahrhundert mit Brennholz”. Er stellte fest, daß die geistliche Residenzstadt nicht aus den stadtnahen, vom Fürstbischof kontrollierten Wäldern, sondern aus sogenannten ”fremdherrischen” Wäldern (z.B. aus hessischen, hanauischen, thüringischen und fuldischen Wäldern) ihr Holz bezog. Dieser Umstand bildete ein Charakteristikum der Stadt Würzburg, die über kein eigenes Holz verfügte. 1733 war das Würzburger Oberforstamt reorganisiert sowie eine Regulierung der Entnahme vorgenommen worden. Die Brennholzabgabe erfolgte nun nur noch klafterweise, statt vordem als Morgenholz. Man wollte damit eine bewußte Brennholzentnahme erreichen, denn die hochstiftischen stadtnahen Wälder waren Anfang des 18. Jahrhunderts v.a. infolge des Festungsbaues ausgeplündert. Ende des 18. Jahrhunderts kamen 85 bis 90 % des Holzes von außerhalb. In der Holzversorgung Würzburgs sind zwei Phasen zu unterscheiden:

1) merkantilistische Phase der Holzversorgung bis 1830

2) Ende der ‘Feudalzeit’ im Wald (ab 1830 Privatisierung des Holzhandels)

In der ersten Phase erfolgte der Holzerwerb durch die Stadt Würzburg, während Holzeinschlag und Transport in privater Hand lagen. Bemerkenswert war der Umstand, daß das Holz ab Gemünden mainaufwärts getreidelt wurde. In Würzburg nahmen es Unterhändler, die sogenannten ”Kärner”, in Empfang, um es zum Holzgarten zu karren. In der zweiten Phase erfolgte der Verkauf des Holzes dann erst in Würzburg selbst, während alte Kartelle (aus bayerischem Staat und regionalen bzw. lokalen Holzhändlern) weiterbestanden. Bis 1830 hatten die bestehenden Holzmagazine eine Pufferfunktion, stellten jedoch keine Problemlösung der Würzburger Holzversorgung dar. Erst durch Kohle und Eisenbahn hat sich die Versorgungssicherheit Würzburgs verbessert.

Dr. Elisabeth Johann (St. Margareten) untersuchte ”Die Holzversorgung Klagenfurts im Übergang vom 18. zum 19. Jahrhundert.” Die Stadt selbst verfügte seit 1518 über eine einmalige Stellung, wurde sie doch von Herzog Albrecht II. den Landständen geschenkt; sie stellt daher den seltenen Typus einer ständischen Stadt dar. Die Landstände verpflichteten sich dafür, den Festungsausbau zu forcieren, errichteten einen Ländkanal und erließen Verordnungen, die den Steinbau innerhalb der Stadt beschleunigen sollten. Zu den Besonderheiten Klagenfurts gehörte noch im 18. Jahrhundert der landschaftseigene Wald zur Versorgung der Ämter. Demgegenüber mußten sich Adel und grundbesitzende Bürger selbst versorgen, während das Militär eine eigene Versorgung unterhielt. Der Holzbezug der Stadt erfolgte über den Wörthersee und den Ländkanal. Die Seeschiffahrt bildete ein, teils verpachtetes, Monopol der Landstände. Ab 1735 konnten waldbesitzende Bauern, die vordem ihr Holz an die Landstände verkauft hatten, auf diesem Weg eigenes Holz zum Verkauf in die Stadt bringen. Mit der Aufhebung der Zunftgebundenheit des Holzhandels Ende des 18. Jahrhunderts nahm die Konkurrenz zwischen den Schiffen der Landschaft und denen der Bauern zu. Handelshäuser sollten im Auftrag der Landstände Holz nach Klagenfurt transportieren. 1792 bis 1796 errichteten die Landstände innerhalb der Stadt ein Holzmagazin, das die Holzbeschaffung durch die Bürger ermöglichte. Gleichzeitig wurde der Holzhandel in einem genau definierten Umkreis um die Stadt verboten. Der Magazinplatz bildete nun den zentralen Verkaufsplatz des Klagenfurter Holzes, führte zu einer Steigerung des Angebots und zu festen Preisen. Verluste, die beim Hacken (statt Sägen) des Holzes entstanden, der Ankauf nassen und die Abgabe trockenen Holzes, die Überschätzung des Marktes und die Faszination der Stände für ‘Großprojekte’ bei fehlenden finanziellen Möglichkeiten, bewirkten letztlich das eklatante wirtschaftliche Scheitern des Klagenfurter Holzgartens.

Dr. Wolfgang Piereth (München) analysierte die ”Staatliche Forstpolitik und städtische Holzversorgung im vormärzlichen Bayern” und betonte dabei die besonders angespannte Situation im bayerischen Nordwesten. Überall in Bayern stieg der Holzpreis in den 1830er Jahren signifikant, was zu einer angespannten Situation besonders der ”unbemittelten Klasse” führte. Vor dem Hintergrund der französischen Julirevolution von 1830 versetzten den Hof die Meldungen über Holzteuerung in ”hektische Betriebsamkeit”, zumal sich größere Teile der Wälder in staatlichem Besitz befanden und das Problem der Holzversorgung als ”originär staatliche Aufgabe” wahrgenommen wurde. Eine Kommission aus Ministerialbeamten und Fachleuten und einem speziell zur Bekämpfung der Holzteuerung eingesetzten Beauftragten sollte Abhilfe schaffen. Die Frage nach dem Grund des starken Holzpreisanstiegs in den 1830er Jahren faßte Piereth in vier Punkten zusammen:

1) enormer Bevölkerungsanstieg (besonders in den Städten) durch Geburtenüberschuß und Zuwanderung;

2) gewerblich-industrieller Aufschwung parallel zum Bevölkerungsanstieg;

3) Bayerns Beitritt zum Zollverein;

4) neue Formen des Holzhandels durch ”freie Holzverkäufe” von Waldbesitzern, wie Staat, Gemeinden, Stiftungen und Privatleuten.

Insbesondere der Beitritt zum Zollverein führte zum Holztransport außer Landes und letztlich zum Preisanstieg in Bayern. So etwa wurden Holzmärkte in Unterfranken zeitweilig kaum oder gar nicht befahren. Die städtischen Klagen über die schlechtere Holzversorgung waren jedoch Teil einer viel umfassenderen Kritik der Ständevertreter an den Folgen der von Seiten des Staates eingeleiteten Deregulierung und Liberalisierung. Verzichtsparen, eine rationellere Art der Verwendung des Holzes (z.B. bei Sparöfen) und die Verwendung von Holzsurrogaten (Kohle/Torf) bildeten die Strategien der Krisenbewältigung. Hierzu wurden Preisausschreiben ausgelobt und neue Erkenntnisse in den landwirtschaftlichen und polytechnischen Vereinen verbreitet. Strittig war hingegen die Forderung der Städte nach fixen Preisen, um den Holzversteigerungen und Preistreibereien entgegenzuwirken. Hier gab es Konflikte zwischen dem um ‘Ruhe und Ordnung’ besorgten Innenministerium und dem für die Forstverwaltung zuständigen Finanzministerium, aber auch generell zwischen Staat und Ständen, schließlich ging es darum, wer in Zukunft die ‘richtige’ Forstpolitik zu bestimmen hatte.

Am Ende regte Piereth an, das bislang vernachlässigte Verhältnis von Kommune und Staat im Deutschland des 19. Jahrhunderts über einen längeren Zeitraum und in seiner Wechselwirkung am Beispiel der städtischen Holzversorgung im Vormärz näher zu beleuchten. Faßbar werden so umweltgeschichtliche Aspekte (Forstpolitik), politikgeschichtliche Themen (Durchsetzbarkeit staatlicher Normen vor Ort), mentalitätsgeschichtliche Gesichtspunkte (Holzsubstitution), wirtschaftsgeschichtliche Probleme (Marktordnung; Deregulierung) und sozialgeschichtliche Perspektiven (Wohlfahrtskompetenz).

Der Tagungsband "Städtische Holzversorgung: Machtpolitik, Armenfürsorge und Umweltkonflikte in Bayern und Österreich (1750-1850)" (=Beihefte der Zeitschrift für Bayerische Landesgeschichte, Reihe B). ist 2002 als Beiheft der Zeitschrift für Bayerische Landesgeschichte erschienen.