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2) Die Comic-Serie Notre Mère la Guerre

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Der Comic Notre Mère la Guerre erschien zwischen 2009 und 2012 in vier Alben beim Pariser Comic-Verlag Futuropolis. Er ist in Frankreich als offizieller Comic für die Hundertjahrfeiern zum Ersten Weltkrieg ausgewählt worden. Die Serie ist ab 2014 als digitalisierte Ausstellung an mehreren Orten in Frankreich vier Jahre lang zu sehen. Sie wird zudem von Regisseur Olivier Marchal verfilmt und demnächst im Kino zu sehen sein. Der Splitter-Verlag veröffentlicht im Juni 2014 unter dem Titel "Mutter Krieg" eine Komplettausgabe aller vier Bände in einem Album im Umfang von ca. 256 Seiten in deutscher Übersetzung.

Notre Mère la Guerre ist eine Mischung aus Krimi und Geschichtserzählung. Alles beginnt im Januar 1935. In Soulac, einem Dorf in Südfrankreich, liegt Roland Vialatte im Sterben. Umgeben von seiner österreichischen Lebensgefährtin Eva und einem katholischen Geistlichen lässt ihn das Glockengeläut der Dorfkirche aus seinen Schmerzen hochfahren. Die Glocken erinnern ihn nicht nur daran, dass 1914 auf eben diese Weise zu den Waffen gerufen wurde. Sie erinnern ihn auch an die Gräuel, die er selbst in der Folge erlebte und die seither fest in Körper und Geist eingeschrieben sind. Und Vialatte beginnt zu erzählen. Anfangspunkt seiner in Form von Rückblenden erinnerten Geschichte ist der mysteriöse Mord einer Frau an der Westfront im Jahr 1915. Vialatte, zu diesem Zeitpunkt Offizier der französischen Gendarmerie, wird damit beauftragt, das Verbrechen aufzuklären, und gerät auf diese Weise selbst mitten in den Krieg, seine Brutalität und seine Absurditäten. Auf der Suche nach dem Täter stößt der Gendarm auf einen ehemaligen Bekannten: den Schmied Gaston Peyrac. Die beiden Männer könnten unterschiedlicher nicht sein: hier der Katholik und Patriot Vialatte, dort der Antimilitarist und Sozialist Peyrac. Peyrac befehligt eine Truppeneinheit, die ein eigenes Gepräge besitzt. Sie setzt sich aus 16 straffällig gewordenen Minderjährigen zusammen, denen man für ihren Einsatz an der Front die Strafe erließ. Vialattes Verdacht fällt zwar sofort auf die jungen Straftäter, doch laufen seine Ermittlungen ins Leere, und die Frauenmorde, die nach ein und demselben Muster verlaufen, gehen unaufhaltsam weiter. Erst nach vielem Hin und Her beginnt der Gendarm zu verstehen und findet den Schlüssel zur Aufklärung der rätselhaften Morde.

krisAutor von Notre Mère la Guerre und von Svoboda! ist Kris (Christophe Goret), Jahrgang 1972. Er lebt und arbeitet als Comic- und Kurzfilmautor sowie Buchhändler in der Bretagne. Nach seinem Studium der Geschichte entschied er sich gegen eine Laufbahn als Lehrer im französischen Schulwesen und veröffentlichte 2002 seinen ersten Comic Toussaint 66. Zugleich drehte er den Kurzfilm Au fond sur le parapet des ponts, für den er ausgezeichnet wurde. Auch für seine Comics erhielt er seither zahlreiche Preise. Als Geschichtenerzähler und Geschichtsliebhaber hat er wiederholt eingefordert, die französischen Universitäten sollten sich dem Comic öffnen. Zudem ist er Mitherausgeber der Zeitschrift La Revue Dessinée.

 

maelMaël (Martin Leclerc), Zeichner von Notre Mère la Guerre, Jahrgang 1976, lebt zwischen Grenoble und Valence als Comic-Zeichner, Grafiker und Musiker. Er studierte in Grenoble Politikwissenschaften und rief in dieser Zeit eine eigene Zeitschrift ins Leben. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung in Grafikdesign und Informationsgrafik und war zunächst als Grafiker tätig. Seine Karriere als Comic-Zeichner begann 2004 mit Tamino. Seither hat er viele auch international bekannte Comics gezeichnet, unter anderem In der Strafkolonie nach der Erzählung von Franz Kafka, in Frankreich 2007, in Deutschland bei Knesebeck 2012 erschienen, sowie Revenants, ein Album über US-amerikanische Veteranen aus dem zweiten Irak-Krieg. Die französischsprachige Fassung erschien 2013 bei Futuropolis, die deutsche Übersetzung ist für März 2014 bei Carlsen geplant.



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3) Kontext: Der Erste Weltkrieg im Comic 1914-2014

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3) Kontext: Der Erste Weltkrieg im Comic 1914-2014
4) Auswahlbibliographie