Neueste Geschichte und Zeitgeschichte
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1. Laufende Forschungsprojekte

  • Die Thaws: High Society, Medien und Familie in den USA in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts
    Finanzierung: Gerda Henkel Stiftung, seit 1.1.2016

    Das Forschungsvorhaben untersucht die High Society als eine neue soziale Formation, die sich um 1900 in den Vereinigten Staaten etablierte. Im Gegensatz zur sogenannten Upperclass basierte sie nicht nur auf Vermögen, sondern konstituierte sich maßgeblich medial zu einer Zeit, als der amerikanische Journalismus eine distinkte Gesellschaftsberichterstattung ausbildete. Diese definierte Kriterien, wonach bestimmte, gesellschaftlich auffällige Personen und Ereignisse berichtenswert waren, und legte damit zugleich fest, wer der High Society zuzurechnen war. Die Angehörigen der High Society verinnerlichten zunehmend ihrerseits die medialen Regeln, verhielten sich entsprechend und erprobten medienaffine Handlungsweisen, welche die Journalisten wiederum aufgreifen und fortschreiben konnten. Im Zentrum des Projekts stehen zwei Generationen der US-amerikanischen Familie Thaw, an denen zwei Dissertationsprojekte die Herausbildung und Entwicklung der High Society über rund 50 Jahre untersuchen. Sie zielen auf den je unterschiedlichen Gebrauch und Stellenwert der Medien und stellen die Frage, inwieweit deren inhärente Logiken und Dynamiken unterschiedliche gesellschaftliche Bereiche wie Familie, Justiz/Recht, Medizin und Psychiatrie, Geographie und Ethnologie, aber auch den Tourismus sowie das Konsum- und Freizeitverhalten zunehmend durchdrangen und strukturierten.

    Emanuel Steinbacher, M.A.: „The Crime of the Century“: der Fall Harry K. Thaw
    Juliane Hornung, M. A.: Margaret und Lawrence Thaw: Vom Honeymoon zur Expedition - ein High Society-Paar auf Reisen
  • »Cosmobilities« – Grenzüberschreitende Lebensläufe in den europäischen Nationalbiographien des 19. Jahrhunderts
    Forschungsprojekt, gemeinsam mit dem Institut für Europäische Geschichte, Mainz
    (Finanzierung der Machbarkeitsstudie, 1.5.2014-30.4.2015: Fritz Thyssen Stiftung)
    Die Machbarkeitsstudie überprüft, inwiefern die Analyse grenzüberschreitender Lebensläufe in den europäischen Nationalbiographien unter Einbeziehung digitaler Ressourcen sowie weiteren biographischen Materials der historischen Forschung für das 19. Jahrhundert neue Impulse verleihen kann.
    Bearbeiterin: Dr. Sarah Panter, M. A./IEG Mainz
  • Wettbewerb zwischen Universitäten im 19. und 20. Jahrhundert in Deutschland
    (Finanzierung: Deutsche Forschungsgemeinschaft)

    Das Vorhaben ist Teil des München-Kölner Verbundprojekts „Konkurrenzkulturen. Soziale Praxis, Wahrnehmung und Institutionalisierung von Wettbewerb in historischer Perspektive“(weitere Informationen). Ziel ist die historisch-vergleichende Analyse institutioneller Konkurrenz zwischen Universitäten als einem bisher kaum erforschten Segment innerhalb des weiter gefassten Feldes von Wettbewerb in der Wissenschaft. Ausgehend von Georg Simmels analytischen Kategorien (1903), hier vor allem seinen zentralen Denkfiguren der „Prämie“ und des „Dritten“, stellt das Vorhaben die These auf, dass deutsche Universitäten nicht erst seit der Exzellenzinitiative, sondern bereits seit dem 19. Jahrhundert Wettbewerb untereinander kannten, wenngleich in wesentlich anderer Form als heute. Der historische Rückgriff belegt Prozesse steter Ausdifferenzierung der im Wettbewerb zu erringenden Prämie (seit dem 19. Jahrhundert: die besten Professoren; ab ca. 1960: die besten Studierenden, freie Forschungszeit, Drittmittel für Forschungszwecke; gegenwärtig: tendenziell die Grundausstattung), die sich ab 1970/80 mit zunehmend akzeptierten ökonomischen Modellen konkurrierender Hochschulen auf einem weltweiten Markt verknüpften. Internationale Entwicklungen (Globalisierung, Bologna-Prozess der EU) verbinden sich mit deutschen Spezifika (Föderalismusreform, chronische Unterfinanzierung des Hochschulwesens). Damit stellt sich auch die Frage nach dem „Dritten“ als der die Prämien vergebenden Schiedsinstanz neu.

    Zwei Einzelprojekte werden die Entwicklung auf der Makroebene (19. Jahrhundert bis Gegenwart) und in einer bottom up-Analyse auf der Mikroebene ausgewählter Universitäten (seit ca. 1980/90) herausarbeiten:
    Fabian Waßer, M. A. (seit 1.8.2013)
    Kathrina Edinger, M. A. (1.9.2013 - 28.2.2014)
    Alexander Mayer, M.A. (seit 1.11.2004)
  • Der Protestantismus in den ethischen Debatten der Bundesrepublik Deutschland 1949–1989
    DFG-Forschergruppe
    Teilprojekt: Der Protestantismus und die Fragen nach gesellschaftlicher Integration und nationaler Identität
    Projektleitung: PD Dr. Claudia Lepp
    Der Protestantismus in den Debatten über die Integration von Flüchtlingen und Vertriebenen in die westdeutsche Gesellschaft (Dissertationsprojekt)
    Bearbeiter: Felix Nothdurft
  • Thyssen im 20. Jahrhundert – eine Familiengeschichte
    (Finanzierung: Fritz Thyssen Stiftung/Stiftung Industriegeschichte Thyssen)
    (Mit)Eigentum an einem Unternehmen bedeutet für eine Familie nicht nur eine ökonomische und rechtliche Kategorie, sondern hat vor allem auch eine soziale und emotionale Dimension. Unternehmensentwicklung und Familiengeschichte sind auf verschiedene Weise eng miteinander verzahnt. Neben dem an der Universität Bonn angesiedelten unternehmenshistorischen Teilvorhaben (http://www.igw.uni-bonn.de/-1/vswg/forschung-1/forschung#Forschung) geht der familiengeschichtliche Projektteil an der LMU von kulturwissenschaftlich inspirierten Ansätzen der familien- und unternehmensgeschichtlichen Forschung aus, welche die soziokulturellen Verknüpfungen zwischen Unternehmerfamilie und Familienunternehmen neu diskutieren. Es versteht die Familie Thyssen im Sinne eines transnationalen, dynamischen, sich ständig umknüpfenden Netzwerks und fragt systematisch nach den Entstehungsbedingungen und Funktionsweisen des familiären „network of trust“. So haben Intimbeziehungen wie Eheschließungen, Scheidungen oder Adoptionen stets auch eine ökonomische Dimension, während umgekehrt unternehmerisches Handeln durch spezifische familiäre Lebensweisen und Kommunikationsnetze geprägt ist.
    Dr. Simone Derix: Vermögen und Familie
    Johannes Gramlich, M. A.: Die KunstmarktPolitik der Thyssens: Investition und symbolisches Kapital
    Felix de Taillez, M. A.: Politik in/mit der Öffentlichkeit: Fritz und Heinrich Thyssen
  • Leibniz Graduate School (mit dem Institut für Zeitgeschichte München-Berlin): Enttäuschung im 20. Jahrhundert. Utopieverlust – Verweigerung – Neuverhandlung
    (Finanzierung: WGL – Leibniz-Gemeinschaft)
    Das 20. Jahrhundert war geprägt von hochfliegenden Erwartungen und großen Hoffnungen, aber auch vielfältigen Enttäuschungen. Nicht nur in den dramatischen politischen Zuspitzungen und Zäsuren der europäischen Geschichte wie 1914, 1945, 1968 und 1989 waren Enttäuschungen allgegenwärtig, sondern auch in der Geschichte sozialer Bewegungen und postkolonialer Aufbrüche, in den (Zukunfts-)Planungen der Experten und den Versprechungen der Massenkultur. Tatsächlich bildet sich im Begriff der Enttäuschung geradezu eine Schlüsselerfahrung der Moderne ab, die von der Geschichtswissenschaft bislang allerdings überraschend wenig beachtet wurde. Ziel der Graduate School ist es daher, individuelle und kollektive Erfahrungen von Enttäuschung, ihre Wirkung und ggf. Bewältigung mittels eines systematischen zeithistorischen Zugriffs exemplarisch zu erforschen. In den Blick genommen wird damit zunächst ein Quellenbegriff, nach dessen Häufigkeit, Signifikanz und Kontext jeweils konkret zu fragen sein wird. Zugleich eröffnet ein analytischer Begriff von Enttäuschung, der diese als eigenständige Kategorie historischer Erfahrung etabliert, innovative Zugänge zur Analyse politischer, sozio-kultureller, kommunikativer und emotiver Dissonanzen in modernen Massengesellschaften.
    An der LMU angesiedelt sind seit dem 1.6.2013 folgende Projekte:
    Carla Aßmann, M. A.: Erwartungen so hoch wie die Häuser selbst: Der schnelle Abstieg der Großwohnsiedlungen der Nachkriegszeit als Enttäuschung über den Versuch der Planung von Modernisierung und Fortschritt
    Matthias Kuhnert, M. A.: Engagement, Erwartung und Enttäuschung bei britischen NGO-Aktivisten (War on Want, Christian Aid)
    Sebastian Rojek, M. A.: Marinegeschichte als Enttäuschungsgeschichte: Enttäuschung - Planung - Experten und die deutsche Marine 1871-1928
    Konrad Sziedat, M. A.: Enttäuschung im Moment des Triumphs: Der Zusammenbruch des Ostblocks und die westeuropäische Linke
  • Die Rolle der Münchner Stadtverwaltung im Nationalsozialismus
    (Finanzierung: Landeshauptstadt München)
    (Projektleitung mit Hans Günter Hockerts, Christiane Kuller, Winfried Süß)
    Die zeithistorische Forschung diskutiert gegenwärtig intensiv eine Neuperspektivierung der nationalsozialistischen „Volksgemeinschaft“. Nachdem zunächst deren radikale Exklusionsmechanismen im Fokus standen, werden nun auch die Inklusions- und Leistungsangebote des Regimes herausgearbeitet, die freilich stets Hand in Hand mit der Exklusion, Verfolgung und ggf. Vernichtung „rassisch“ und politisch nicht erwünschter Menschen gingen. In diesem Kontext gewinnen auf lokaler Ebene die Finanzverwaltung der Stadt (als Instrument der Finanzierung und Steuerung) und die kommunalen Dienstleistungen in Gestalt der Infrastruktureinrichtungen an geschichtswissenschaftlicher Relevanz, die in zwei eng aufeinander bezogenen Projekten untersucht werden.
    Paul-Moritz Rabe, M. A.: Kommunale Finanz- und Investitionspolitik (seit 1.7.2012)
    Mathias Irlinger, M. A.: Kommunale Infrastruktur- und Versorgungseinrichtungen (seit 1.2.2013)