Neueste Geschichte und Zeitgeschichte
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Lehrveranstaltungen im Sommersemester 2008

Prof. Dr. Wolfram Siemann

VORLESUNG: "das Leben erzählen": Biographie und Geschichtsschreibung – auch und vor allem am Beispiel des Clemens Fürst von Metternich (1773-1859) (geeignet für die Zwischenprüfung)
2stündig, Mittwoch 14.00-16.00 Uhr, Raum: Geschwister-Scholl-Platz 1, A 240, Beginn: 16.04.2007

Historische Biographien haben unverändert Konjunktur – in der Forschung ebenso wie im öffentlichen Interesse. Das hat sogar in den Medien Spuren hinterlassen, wo ein eigener "Biography Channel" eingerichtet worden ist. Die Vorlesung soll sich mit diesem Phänomen wissenschaftlich auseinandersetzen. Das geschieht auf zwei Ebenen. Einerseits bietet die Veranstaltung einen Epochenüberblick, der aus dem Focus des österreichischen Staatskanzlers Metternich gegeben wird. Dabei werden narrative und visualisierende Elemente einen hohen Anteil haben. Im Zentrum steht der Umbruch von der Frühen Neuzeit in das 19. Jahrhundert, der Übergang vom Alten Reich als Rechts-, Stände- und "Feudal"-Ordnung in die "Bürgerliche Gesellschaft". Andererseits sollen Möglichkeiten, Grenzen und Besonderheiten biographischer Geschichtsschreibung aus methodologischer Sicht erörtert werden. Die Vorlesung vermittelt also beides: Wissen zur Epoche und zur Methodik bzw. Theorie des Faches. Ergänzend sollen bedeutende wissenschaftliche Biographien anderer Herrscher und Politiker der Epoche einbezogen werden (z. B. Ludwig I., Friedrich Wilhelm III., Friedrich Wilhelm IV., Karl Freiherr vom Stein, Maximilian Graf von Montgelas).

LITERATUR: Heinrich Ritter von Srbik: Metternich, der Staatsmann und der Mensch. 2 Bde. München 1925, Ndr. 1957, Erg.bd. 1954; Alan Palmer: Metternich. London 1972; Hans Erich Bödeker (Hrsg.): Biographie schreiben, Göttingen 2003; Andreas Gestrich, Peter Knoch, Helga Merkel (Hrsg.): Biographie sozialgeschichtlich, Göttingen 1988; Fernand Braudel (u.a.): Der Historiker als Menschenfresser. Über den Beruf des Geschichtsschreibers, Berlin 1990.(Weitere Literatur und Lektürehinweise werden im Virtuellen Seminarraum bekannt gegeben)

(Hinweis: Die Lehrveranstaltungen nutzen das Instrument des Virtuellen Seminarraums. Interessierte Teilnehmer mögen sich rechtzeitig vor Beginn um ihre Campus-Kennung als Zugangsvoraussetzung kümmern.)

 

ÜBUNG und Lektürekurs: Biographieforschung (auch zur Ergänzung der Vorlesung), 14tägig, 2stündig, Mittwoch 18.00-20.00 Uhr, Raum: Historicum/Amalienstr. 52A, A 302 (3.OG), Beginn: 16.4.2008

 

HAUPTSEMINAR: Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation und 19. Jahrhundert - "deutsche" Kontinuitäten statt Bruch?
3stündig, Donnerstag 14.00-17.00 Uhr, Raum: Historicum/Amalienstr. 52A, A 001 (EG), Beginn: 17.04.2008

Seit einiger Zeit richtet sich der Blick der Forschung auf die so genannte "Sattelzeit" (1770–1830), wenn das Ende des Alten Reich im Mittelpunkt des Interesses steht. Das Hauptseminar will die Brücke noch weiter schlagen und fragen, inwiefern der "Deutsche Bund" (1815–1866) noch in einem Zusammenhang mit dieser älteren Formation der deutschen Geschichte zu sehen ist. Das berührt zum Beispiel die rechtlichen Institutionen, das kulturelle Nationsverständnis, die Vielheit der Nationalitäten, fortdauernde Vorrechte des Adels und Abhängigkeiten der Bauern, Zurücksetzung der jüdischen Bevölkerung. Die Historiographie zur deutschen Geschichte des 19. Jahrhunderts befolgte bisher mehrheitlich die Engführung auf die kleindeutsch-preußische Reichseinigung von 1870/71. Fortwirkende ältere Traditionen, Mentalitäten und Strukturen blieben dabei weitgehend ausgeblendet. Das Seminar soll hier einen Kontrapunkt setzen und eine offene Forschungsdiskussion provozieren.

LITERATUR: Reinhard Stauber: Nationalismus vor dem Nationalismus? Eine Bestandsaufnahme der Forschung zu "Nation" und "Nationalismus" in der Frühen Neuzeit. In: GWU 1996, S. 139–165; Wolfram Siemann: "Der deutsche Bund ist nur die Continuität des Reichs …" – Über das Weiterleben des Alten Reiches nach seiner Totsagung im Jahre 1806. In: GWU 2006, S. 585–593; Hans-Werner Hahn, Georg Schmid (Hrsg.): Das Jahr 1806 im europäischen Kontext. 2007; Georg Schmidt: Geschichte des Alten Reiches. Staat und Nation in der Frühen Neuzeit, München 1999; James Sheehan: German History. 1770–1866. Oxford 1989, Paperback 1993; Wolfram Siemann: Vom Staatenbund zum Nationalstaat. Deutsche Geschichte 1806–1871. München 1995; Volker Press: Landtage im Alten Reich und im Deutschen Bund. Voraussetzungen ständischer und konstitutioneller Entwicklungen 1750–1830. In: Zeitschr. für Württ. Landesgesch. 1980, S. 100–14; Brigitte Mazohl-Wallnig: Zeitenwende 1806. Das Heilige Römische Reich und die Geburt des modernen Europa, Wien, Köln, Weimar 2005.

 

OBERSEMINAR:  2stündig, Mittwoch, 18.00-20.00 Uhr, Raum: Historicum/Amalienstr.52a, A 302 (3.OG), Beginn: 24.04.2008 (ausnahmsweise die 1. Sitzung am Donnerstag, 24.04.2008, Raum: A 202, gemeinsam mit Prof. Baumeister, dann 14tägig mittwochs)


Dr. Peter Helmberger

PROSEMINAR: Das Kaiserreich und der Ausbruch des 1. Weltkriegs (1900-1914), in Verbindung mit Grundkurs zur Technik des fachbezogenen wissenschaftlichen Arbeitens
4stündig, Mittwoch 10.00-13.00 Uhr, Raum: Schellingstr. 12, 327 3.OG

Das Deutsche Kaiserreich präsentiert sich gemeinhin als höchst widerspruchsvolle Epoche: Es schwankte zwischen den Extremen einer (von wirtschaftlicher Hochkonjunktur begleiteten) dynamischen Modernisierung und dem strikten Beharren auf (längst unzeitgemäßen) Traditionen. Das Seminar widmet sich diesem Spannungsfeld am Vorabend des 1. Weltkriegs. Neben den außenpolitischen Rahmenbedingungen werden daher vor allem die unterschiedlichen gesellschaftlichen Interessen und ihre Vertreter (von der Hochindustrie, den Vertretern konservativer Agrarstrukturen oder des Katholizismus über die Frauenbewegung und die sich entwickelnden sozialistischen Gruppierungen und Parteien bis hin zu Wissenschaft und Kunst) im Mittelpunkt der Betrachtung stehen. In diesem Zusammenhang soll auch der Frage nachgegangen werden, inwieweit die zunehmend bedrohlichere außenpolitische (Krisen-)Situation innerhalb der Gesellschaft aufgenommen und interpretiert oder sogar instrumentalisiert wurde. Von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern wird im Vorfeld des Seminars die Lektüre des angegebenen Titels von Volker Ulrich erwartet.

Literatur: Volker Ulrich: Die nervöse Großmacht 1871-1918. Aufstieg und Untergang des deutschen Kaiserreichs, Frankfurt/M. 1999 (1. Aufl. 1997). Sönke Neitzel: Kriegsausbruch. Deutschlands Weg in die Katastrophe 1900-1914, Zürich 2002. Für die Technikübung: Nils Freytag / Wolfgang Piereth: Kursbuch Geschichte. Tipps und Regeln für wissenschaftliches Arbeiten. 3., überarb. Aufl. Paderborn 2008 [UTB-Taschenbuch].


Dominik Petzold, M.A.

PROSEMINAR: Das deutsche Reich unter Bismarck (1871-1890), in Verbindung mit Grundkurs zur Technik des fachbezogenen wissenschaftlichen Arbeitens
4stündig, Freitag 10.00-13.00 Uhr, Raum: Schellingstr. 12, 327 3.OG

Das Seminar nimmt eine Schlüsselphase der deutschen Geschichte in den Blick, deren langfristige Folgen bis heute umstritten sind. In jüngeren Gesamtdarstellungen ist geradezu selbstverständlich die Rede von der "Bismarckära" (Hans-Ulrich Wehler) oder der "Bismarckzeit" (Thomas Nipperdey), und der Rücktritt des ersten Reichskanzlers (1890) gilt als Zäsur. Bis heute ist die Forschung darum bemüht, Bismarcks Einfluss auf politische und gesellschaftliche Entwicklungen seiner Zeit auszuloten. Über seine Person und sein Handeln sollen zentrale Problemfelder aus Politik (etwa deutsche Frage, Verfassung, Parteien), Gesellschaft (etwa Bürgertum, Arbeiter, Antisemitismus, Kulturkämpfe), Wirtschaft (etwa Industrialisierung, Depression) und Alltag (etwa Geschlechterverhältnis, Duell) in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erschlossen werden

Literatur: Volker Ullrich: Die nervöse Großmacht 1871-1918. Aufstieg und Untergang des deutschen Kaiserreichs, Frankfurt/Main 1999. Verbindliche Pflichtlektüre für den Technikgrundkurs: Nils Freytag und Wolfgang Piereth, Kursbuch Geschichte. Tipps und Regeln für wissenschaftliches Arbeiten. Paderborn u.a. 2004.

ÜBUNG: Politik, Staat und Gesellschaft im Vormärz (1815-1848)
Historicum, Raum 226
Terminänderung: Anders als im KVV angegeben findet die Übung an zwei Terminen statt: Samstag, 07.06.08 und Samstag, 21.06.08 jeweils von 10.00-18.00 Uhr

Die Epochenbezeichnung "Vormärz" verkürzt die deutsche Geschichte der Jahre 1815 bis 1848 zur bloßen Vorgeschichte der Märzrevolution. Diese teleologische Perspektive ist zweifelhaft, doch der Begriff unterstreicht immerhin, dass die deutsche Gesellschaft politisch in Bewegung geraten war und auf liberale, demokratische und nationalpolitische Reformen drängte. Dagegen stand die monarchische Unterdrückungspolitik des Deutschen Bundes und der Einzelstaaten. Dieses Spannungsfeld wollen wir in der Übung näher beleuchten. Besonderes Augenmerk richten wir dabei auf Öffentlichkeit und Netzwerkverbindungen der politisierten Gesellschaft (z.B. Presse, Fest, Vereine).

Literatur: Alexa Geisthövel, Restauration und Vormärz 1815-1847. Paderborn 2008; Wolfgang Hardtwig, Vormärz, 4. aktual. Auflage, München 1998; Jürgen Müller, Der deutsche Bund 1815-1866 (= Enzyklopädie Deutscher Geschichte, Bd. 78). München 2006.