Neueste Geschichte und Zeitgeschichte
print


Navigationspfad


Inhaltsbereich

Lehrveranstaltungen im Sommersemester 2009

Prof. Dr. Bernhard Löffler


VORLESUNG: Geschichte des Bismarckreichs (geeignet für die Zwischenprüfung)
2std., Mi 14.00-16.00 Uhr, Hörsaal A 240 (LMU Hauptgebäude)

Die Vorlesung gibt einen Überblick über Gründungsgeschichte, strukturelle Grundlagen (demographisch, sozioökonomisch, kulturell, institutionell-politisch, transnationale Einbindung und internationale Beziehungen) sowie hauptsächliche Konflikt- und Problemzonen des Deutschen Kaiserreichs. Damit verbunden wird es immer auch um die historiographische Vergegenwärtigung, um Interpretationsmodelle und die wechselnden Forschungskonjunkturen zum Kaiserreich gehen. Der zeitliche Schwerpunkt wird dabei auf der Phase von den 1860er Jahren bis in die 1890er Jahre liegen.

Literatur: Thomas Nipperdey, Deutsche Geschichte 1866-1918, 2 Bde., München 1990/92; Hans-Peter Ullmann, Das Deutsche Kaiserreich 1871-1918, Frankfurt 1995; Hans-Ulrich Wehler, Deutsche Gesellschaftsgeschichte, Bd. 3, München 1995; Volker Ullrich, Die nervöse Großmacht 1871. Aufstieg und Untergang des deutschen Kaiserreichs, Frankfurt 1999; Volker Berghahn, Das Kaiserreich 1871-1914 (Gebhardt Handbuch der deutschen Geschichte, Bd. 16), Stuttgart 2003; Ewald Frie, Das Deutsche Kaiserreich (Kontroversen um die Geschichte), Darmstadt 2004; Sebastian Conrad/Jürgen Osterhammel (Hg.), Das Kaiserreich transnational. Deutschland in der Welt 1871- 1914, Göttingen 2004.

ÜBUNG und Lektürekurs ergänzend zur Vorlesung: Geschichte des Bismarckreichs
1std., Mi 17.00-18.00 Uhr, Historicum 001

 

HAUPTSEMINAR: Politikstile im Wandel. "Politischer Massenmarkt" und Massenmedien in Europa 1870-1914
3std., Di 18-21, Historicum 226
Anmeldung ab sofort im Sekretariat (Frau Rolofs, Historicum 125) oder per E-Mail schicken an Ch.Rolofs@lrz.uni-muenchen.de E-Mail

Vorbesprechung: Mi 4.02.09, 17:00-18 Uhr, Historicum 226

Die Jahrzehnte um die Jahrhundertwende 1900 gelten als Aufbruchs- und Durchbruchsphase der "klassischen Moderne", mit ihren neuen Lebenschancen und einer bemerkenswerten geistig-intellektuellen Avantgarde, aber auch mit ihren Friktionen und ganz neuartigen Problemzonen. Die Entstehung eines "politischen Massenmarktes (H. Rosenberg) mit gewissen Parlamentarisierungs- und Demokratisierungsprozessen, dem zunehmenden Einfluss politischer Parteien und mächtiger Interessenlobbys und nicht zuletzt der Etablierung moderner Massenmedien gehört ganz wesentlich dazu. Diesem Phänomen der beginnenden Massenmedialisierung der Welt und ihren Wirkungen auf die Politikstile der Zeit widmet sich das Seminar. Behandelt werden dabei u. a. die institutionellen Strukturen und politischen Einflüsse von Presseagenturen, Zeitungsverlagen oder auch der frühen Filmproduktion, die Fragen nach den Karrieremustern von Journalisten und deren Wahrnehmung und Stellung in der Öffentlichkeit, ferner die Problemfelder von Propaganda und Zensur sowie der Skandalisierung von Politik in den Medien (z. B. Daily-Telegraph-Affäre oder Dreyfus-Affäre) und in diesem Zusammenhang auch die Vorgänge transnationaler öffentlicher Rezeption und internationalen Meinungsaustauschs.

Literatur: August Nitschke u. a. (Hg.), Jahrhundertwende. Der Aufbruch in die Moderne 1880-1930, 2 Bde., Hamburg 1990; Ute Daniel/Wolfram Siemann (Hg.), Propaganda, Frankfurt 1994; Jörg Requate, Journalismus als Beruf. Die Entstehung des Journalistenberufs im 19. Jahrhundert. Deutschland im internationalen Vergleich, Göttingen 1995; Jörg Requate/Martin Schulze Wessel (Hg.), Europäische Öffentlichkeit. Transnationale Kommunikation seit dem 18. Jahrhundert, Frankfurt 2002; Lothar Gall (Hg.), Politikstile im Wandel. Regierung, Parlament und Öffentlichkeit im Zeitalter Bismarcks, Paderborn 2003; Wolfgang Jacobsen u.a. (Hg.), Geschichte des deutschen Films, 2. Aufl. Stuttgart 2004; Clemens Zimmermann (Hg.), Politischer Journalismus, Öffentlichkeit und Medien im 19. und 20. Jahrhundert, Ostfildern 2006; Werner Faulstich, Mediengeschichte von 1700 bis ins 3. Jahrtausend, Göttingen 2006; Dominik Geppert, Pressekriege. Öffentlichkeit und Diplomatie in den deutsch-britischen Beziehungen (1896-1912), München 2007; Frank Bösch/Dominik Geppert (Hg.), Journalist as Political Actors. Transfers and Interactions between Britain and Germany since the late 19th Century, Augsburg 2008; Frank Bösch, Öffentliche Geheimnisse. Skandale, Politik und Medien im Kaiserreich und Großbritannien 1880-1914, erscheint München 2009.

 

HAUPTSEMINAR: Konstitutionalismus und monarchisches Prinzip im 19. Jahrhundert
3 std., Do 11.00-14.00 Uhr, Historicum 226
Anmeldung ab sofort im Sekretariat (Frau Rolofs, Historicum 125) oder per E-Mail schicken an Ch.Rolofs@lrz.uni-muenchen.de E-Mail

Vorbesprechung: Do 05.02.09, 12.00-13 Uhr, Historicum 226

Das Seminar beschäftigt sich mit einem zentralen verfassungs-, rechts- und ideengeschichtlichen Thema des 19. Jahrhunderts: der Frage nach dem Zusammen-, Wechsel- und Gegenspiel von konstitutionell- (parlamentarischen) Ordnungen auf der einen Seite und dem "monarchischen Prinzip", also der Existenz, Herrschaftsbefugnis und dem sozialen Prestige von Monarchen und ihren Dynastien, auf der anderen Seite. Analysiert werden sollen dabei sowohl die Entwicklungsprozesse über das Jahrhundert hinweg mit seinen verschiedenen Revolutions- und Restaurationskonjunkturen als auch die strukturellen Unterschiede und gegenseitigen Einflüsse zwischen den europäischen Staaten (z. B. Rezeptionsgeschichte des englischen Zweikammersystems, der Charte constitutionelle oder der Verfassung von Cadiz in den deutschen Staaten). Ferner wird es darum gehen, nicht nur die institutionell-rechtliche Seite, die politischen Strukturprobleme, die inneren Widersprüchlichkeiten und die staatstheoretischen Begründungen von "Konstitutionalismus", "monarchischem Prinzip" und "konstitutioneller Monarchie" in den Blick zu bekommen, sondern v. a. auch auf die kultur- und mentalitätshistorischen Aspekte der (Selbst)Inszenierung, Repräsentation und Symbolik, der öffentlichen Wahrnehmung und Wirkung entsprechender konstitutioneller oder monarchischer Instanzen (etwa bei Kaisergeburtstagen, Staatsbesuchen, Verfassungsjubiläen oder in der parlamentarischen Presseberichtserstattung) zu achten.

Literatur: Ernst-Wolfgang Böckenförde (Hg.), Probleme des Konstitutionalismus im 19. Jahrhundert, Berlin 1975; Artikel "Monarchie" und "Parlament", in: Geschichtliche Grundbegriffe, hg. v. Otto Brunner u. a., Bd. 4, Stuttgart 1978; Wolfgang Reinhard, Geschichte der Staatsgewalt. Eine vergleichende Verfassungsgeschichte Europas von den Anfängen bis zur Gegenwart, München 1999; Johannes Paulmann, Pomp und Politik. Monarchenbegegnungen in Europa zwischen Ancien Régime und Erstem Weltkrieg, Paderborn 2000; Dietmar Willoweit/Ulrike Seif (Hg.), Europäische Verfassungsgeschichte, München 2003; Dietmar Willoweit, Deutsche Verfassungsgeschichte, 5. Aufl. München 2005; Peter Brandt u. a. (Hg.), Handbuch der europäischen Verfassungsgeschichte im 19. Jahrhundert, Bonn 2006; Andreas Biefang u.a. (Hg.), Das politische Zeremoniell im Deutschen Kaiserreich 1871-1918, Düsseldorf 2008.


Dr. Peter Helmberger

PROSEMINAR: Napoleon und die deutschen Staaten (1799-1815)
4std., Di 8.00-11.00 Uhr, Historicum 401

Das Verhältnis zum napoleonischen Frankreich war für die deutschen Staaten am Ende des Alten Reiches und in den unmittelbaren Jahren danach von herausragender Bedeutung. Im Seminar werden die unterschiedlichen Formen der Beziehungen (und deren Auswirkungen) ebenso untersucht wie deren Wandel im Umfeld der 'Befreiungskriege'. Einen dritten Schwerpunkt bildet die rückblickende Erinnerung an diesen Zeitraum durch die Zeitgenossen und die daraus resultierenden Konsequenzen.
Im Proseminar wird der 'Virtuelle Seminarraum' (Informationen) genutzt werden. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmern sollten sich daher bitte (sofern noch nicht vorhanden) vorab eine campus-Kennung besorgen.

Literatur: E. Fehrenbach: Vom Ancien Régime zum Wiener Kongreß, 5. Aufl. München 2008. Th. Nipperdey: Deutsche Geschichte 1800-1866, München 1983. H.U. Wehler: Deutsche Gesellschaftsgeschichte. Bd. 1: 1700-1815, München1987. P.G. Dwyer/A. Forrest (eds.): Napoleon and His Empire. Europe, 1804-1814, Houndmills 2007.

Für die Technikübung: Nils Freytag / Wolfgang Piereth: Kursbuch Geschichte. Tipps und Regeln für wissenschaftliches Arbeiten, 3., aktual. u. erw. Aufl. Paderborn 2008.

 

ÜBUNG: Napoleon Bonaparte (1769-1821)
2std., Mi 11.00-13.00 Uhr, Historicum 402

Napoleon Bonaparte hat sowohl seine Zeitgenossen wie auch spätere Generationen immer wieder erschreckt oder auch fasziniert. Die Übung untersucht die unterschiedlichen Facetten seiner Persönlichkeit sowie die verschiedenen Formen der Erinnerung im 19. und 20. Jahrhundert. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Darstellung Napoleons in der Geschichtsschreibung.
In der Übung wird der 'Virtuelle Seminarraum' (Informationen) genutzt werden. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmern sollten sich daher bitte (sofern noch nicht vorhanden) vorab eine campus-Kennung besorgen. Anmeldung zur Übung bitte ab sofort per E-Mail schicken an peter.helmberger@lmu.de E-Mail.

Literatur: J. Willms: Napoleon. Eine Biographie, München 2005. J. Presser: Napoleon. Das Leben und die Legende, Zürich 1990. V. Ullrich: Napoleon, Reinbek 2004. G. Lefebvre: Napoleon, 3. Aufl., Stuttgart 2004.


Klaus Seidl, M.A.

PROSEMINAR: Aufbruch und Reaktion: Deutschland 1849-1871
4std., Fr 8.00-11.00 Uhr, Historicum 001

Blickt man in die meisten Überblicksdarstellungen zur deutschen Geschichte des 19. Jahrhunderts, so kann man sich insbesondere für die Reaktionsdekade nach 1849 in der Tat im historischen „Niemandsland“ wähnen (Siemann). Wer dabei glaubt von "'toten Jahren' in der deutschen Geschichte" (Kersten) sprechen zu können, verkennt allerdings die charakteristische Widersprüchlichkeit der Reaktions- und Reichsgründungsära, die mehr war als nur eine unbedeutende Durchgangszeit zwischen gescheiterter Revolution und bismarckscher Reichsgründung. Zeitgleich mit der energischen politischen Unterdrückung vollzog sich der Durchbruch der Industrialisierung und geriet auch die Gesellschaft in Bewegung. Im Seminar wollen wir uns den Ausprägungen dieser "Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen" auf den Gebieten der Politik (etwa "Neue Ära"), Wirtschaft (etwa industrieller "Take-off"), Gesellschaft (etwa Organisation und Selbstverständnis des Bürgertums) und Kultur (etwa Schillerfeier 1859) zuwenden.

Literatur: Wolfram Siemann: Gesellschaft im Aufbruch. Deutschland 1849-1871. Frankfurt a.M. 1990. Nils Freytag/ Wolfgang Piereth: Kursbuch Geschichte. Tipps und Regeln für wissenschaftliches Arbeiten. 3. aktual. und erw. Aufl. Paderborn u.a. 2008. - Beide Bücher sind für alle Teilnehmenden während des Semesters verbindlich zu lesen.

 

ÜBUNG:  Revolution und Reaktion 1848/49 in Bayern
2std., Do 15.00-17.00 Uhr, Historicum 507

„Arme Revolution, die du dich nach München verirrt hattest! Der altbayerische Stumpfsinn feierte einen vollständigen und glänzenden Triumph“, jammerte der radikaldemokratische Publizist Gustav Diezel Ende 1849 im Schweizer Exil. (Alt-)Bayern und Revolution, das wollte - nicht nur für Diezel - einfach nicht zusammenpassen. Wenn man heutzutage auch gemeinhin die Revolution 1848/49 in Bayern gerne auf die Lola-Montez-Affäre und die darauf folgende Abdankung Ludwig I. verengt, so muss man doch feststellen, dass die Revolution die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse Bayerns nachhaltiger verändert hat als in vielen anderen deutschen Ländern. In der Übung wollen wir die spezifisch bayerischen Ausprägungen von Revolution und Reaktion näher untersuchen. Dabei werden wir insbesondere auch die in der Staatsbibliothek zahlreich vorhandene zeitgenössische Presse einbeziehen. Von den Teilnehmern werden die Übernahme eines Referats und die Bereitschaft zu regelmäßiger Lektüre erwartet. Anmeldung bis zum 1.04.09 per E-Mail schicken an k.seidl@lrz.uni-muenchen.de E-Mail

Literatur: Hermann Reiter: Die Revolution 1848/49 in Bayern. Bonn 1998; Max Spindler (Hg.): Handbuch der bayerischen Geschichte, Bd. IV 2.Aufl. 2003/2007.