Neueste Geschichte und Zeitgeschichte
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Lehrveranstaltungen im Sommersemester 2010

Prof. Dr. Wolfram Siemann

VORLESUNG: 'Alteuropa' und 'Moderne' I: Die Krise der Ständestaaten 1789–1815
(für BA: Abschluss mit Klausur), 2stündig, Mi 14-16 Uhr, Hauptgebäude A240,
Beginn: 21.04.2010, Ende: 21.07.2010


Die Vorlesung bildet den ersten Teil einer Trilogie, welche den Untergang 'Alteuropas' und die folgende große Transformationsperiode bis an die Schwelle der Hochindustrialisierung und ausgebildeter Staatsnationen darstellt (1789–1866/71). Der historische Horizont ist der Zerfall der supranationalen Großreiche (des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation, des Zarenreiches, des Osmanischen Reiches). Im Zentrum befindet sich die mitteleuropäische Geschichte: die Zwitterordnung der habsburgischen Föderation und des Deutschen Bundes. Die Krise der 'Moderne' soll anschaulich werden in ihren Trägern und Opfern, ihren Propheten und Profiteuren, ihren ökonomischen und sozialen Umbrüchen. Der erste Teil dieses Zyklus behandelt die Krise der Ständestaaten zwischen 1789 und 1815 (Es werden sich in den beiden Folgesemestern anschließen: [2:] „Adelsherrschaft in Konfrontation mit der bürgerlichen Gesellschaft 1815–1847 sowie [3:] „Der Zusammenbruch des europäischen Systems 1818–1871“).

LITERATUR:

Georg Schmidt: Wandel durch Vernunft. Deutsche Geschichte im 18. Jahrhundert, München 2009;
Karl Vocelka: Österreichische Geschichte 1699–1815 – Glanz und Untergang der höfischen Welt. 2001;
Helmut Rumpler: Österreichische Geschichte 1804–1914 – Eine Chance für Mitteleuropa, Wien 2005;
Wolfram Siemann: Vom Staatenbund zum Nationalstaat – Deutsche Geschichte 1806–1871, München 1995; Brigitte Mazohl-Wallnig: Zeitenwende 1806. Das Heilige Römische Reich und die Geburt des modernen Europa, Wien, Köln, Weimar 2005.

 (Hinweis: Die Lehrveranstaltungen nutzen das Instrument des Virtuellen Seminarraums. Interessierte Teilnehmer mögen sich rechtzeitig vor Beginn  um ihre Campus-Kennung als Zugangsvoraussetzung kümmern; für weitere Erläuterungen folgen Sie bitte diesem LINK.

HAUPTSEMINAR: Nationalitäten und Staatlichkeit I: Die Prägephase 1789–1815
3-stündig, Do 11-14 Uhr, Raum: Historicum/Amalienstr. 52, R 201
Beginn: 22.04.2010


Achtung: Anmeldung ab sofort im Sekretariat, Zi. 125 Historicum

Vorbesprechung (ca. 1 Std.) am Fr, 12. Februar 2010, 13:15 Uhr, Raum 327 Historicum
Bitte, soweit schon vorhanden, Zwischenprüfungszeugnis bzw. Scheine mitbringen

Das Hauptseminarprogramm ist parallel zum dreiteiligen Vorlesungszyklus konzipiert. Während die Vorlesung den Zerfall und die Umgestaltung der europäischen Gesellschaft betont, stellt das Hauptseminar die Fundamentalkraft und Zukunftsvision des 19. Jahrhunderts in den Mittelpunkt: die Emanzipation der Nationalitäten zur Staatlichkeit. 'Nation' als Politikum, Religionsersatz, Erinnerungsgemeinschaft und Zukunftskonzept wird in ihrer Prägephase zwischen 1789 und 1815 zum Problem. Das Seminar soll die damit verbundenen Ambivalenzen „von der Humanität durch Nationalität zur Bestialität“ (Franz Grillparzer 1849) kritisch erörtern und die historischen Bedingungen ergründen.“

LITERATUR: Reinhard Stauber: Nationalismus vor dem Nationalismus? Eine Bestandsaufnahme der Forschung zu "Nation" und "Nationalismus" in der Frühen Neuzeit. In: GWU 1996, S. 139–165;
Dieter Langewiesche: Föderative Nation (Hrsg. gemeinsam mit Georg Schmidt), München 2000;
Ders.: Nation, Nationalismus, Nationalstaat in Deutschland und Europa, München 2000;
Ders.: Nation und Religion in der deutschen Geschichte (Hrsg. mit Heinz-Gerhard Haupt), Frankfurt/M 2001; Ders.: Reich, Nation, Föderation. Deutschland und Europa. München 2008.

– Weitere Literatur und Lektürehinweise werden im Virtuellen Seminarraum bekannt gegeben. Die Teilnehmer mögen sich rechtzeitig vor Beginn  um ihre Campus-Kennung als Zugangsvoraussetzung kümmern; für weitere Erläuterungen folgen Sie bitte diesem LINK.

OBERSEMINAR/ Colloquium: Besprechung von Examensarbeiten und hochkarätigen Neuerscheinungen

2-stündig, Mi 18-20 Uhr, Raum: Historicum/Amalienstr. 52, R 402


Dr. Peter Helmberger

BK/PS: Einführung in das Studium der Neueren und Neuesten Geschichte: Preußen (1786-1871)
(KL/RE/HA/AA), Di., 8.00-11.00 Uhr, Raum 001 Historicum


In den knapp 90 Jahren zwischen dem Tod Friedrichs II. und der Begründung des Deutschen Kaiserreichs durchlebte der preußische Staat stürmische Zeiten in denen sich existenzielle Bedrohung, bedeutende militärische Erfolge, Reformbemühungen und Stagnation, territoriale Erweiterungen, wirtschaftlicher Aufschwung sowie wissenschaftliche und kulturelle Neuerungen in rascher Folge abwechselten. Die Veranstaltung widmet sich diesen unterschiedlichen Aspekten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf der Binnenentwicklung Preußens (und deren längerfristigen Auswirkungen) liegen soll.

In der Veranstaltung wird der 'Virtuelle Seminarraum' (Informationen) genutzt werden. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmern sollten sich daher bitte (sofern noch nicht vorhanden) vorab eine campus-Kennung besorgen.

Literatur:

Monika Wienfort: Geschichte Preußens, München 2008. Christopher Clark: Preußen. Aufstieg und Niedergang 1600-1947, München 2008. Für die Technikübung: Nils Freytag / Wolfgang Piereth: Kursbuch Geschichte. Tipps und Regeln für wissenschaftliches Arbeiten, 4., aktual. Aufl. Paderborn 2009.


Übung: Otto v. Bismarck (1815-1898) (Theorie & Methode)
(RE/AA), Mi., 12.00-14.00 Uhr, Raum: 201


Otto von Bismarck genießt bis heute - zumindest wenn man einschlägigen Umfragen glauben darf - besondere Wertschätzung. Dies unterscheidet ihn in auffallender Weise von anderen Politikern (des 19. Jahrhunderts). Bismarcks Rolle in der preußischen/deutschen Geschichte wird hierbei in der Öffentlichkeit häufig auf sein Wirken im Vorfeld der Reichsgründung von 1871 verkürzt. Eher unterbelichtet bleiben dagegen öfter sein persönlicher Hintergrund, sein Wirken als preußischer Ministerpräsident, seine innenpolitischen Ziele im Kaiserreich oder auch die Jahre nach seiner Entlassung als Reichskanzler 1890. Die Veranstaltung wird sich daher - unter Einbeziehung moderner Theorien zur Biografieforschung - in besonderer Weise auch diesen Aspekten widmen. Darüber hinaus soll auch Fragen der Erinnerungskultur und der Behandlung/Beurteilung Bismarcks durch die Geschichtswissenschaften nachgegangen werden.

In der Veranstaltung wird der 'Virtuelle Seminarraum' (Informationen) genutzt werden. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sollten sich daher bitte (sofern noch nicht vorhanden) vorab eine campus-Kennung besorgen.

Literatur: Volker Ullrich: Otto von Bismarck, 4. Aufl. Reinbek b. Hamburg 2008. Lothar Gall: Bismarck. Der weiße Revolutionär, 3. Aufl. Berlin 2008. Eberhard Kolb: Bismarck, München 2009 sowie (v.a. für Studierende in den ersten Semestern): Nils Freytag / Wolfgang Piereth: Kursbuch Geschichte. Tipps und Regeln für wissenschaftliches Arbeiten, 4., aktual. Aufl. Paderborn 2009.

 


Klaus Seidl, M.A.

BK/PS: Die Revolution von 1848/49 in Deutschland
3-stündig, Fr 13-16 Uhr c.t., Amalienstr. 52 (K), 302
vertiefende Übung zum Proseminar: 1 stündig, Fr 16-17 Uhr c.t., Amalienstr. 52 (K), 302


Spätestens seit ihrem 150jährigen Jubiläum gehört die Revolution von 1848/49 zu den am besten erforschten Themen der deutschen Geschichte. Während die ältere Forschung noch lange an der Vorstellung einer gescheiterten „bürgerlichen“ Revolution festhielt, betonen dagegen neuere Arbeiten die Vieldimensionalität der revolutionären Erfahrungen, und relativieren damit auch die zentrale Kategorie ihres Scheiterns. Das Seminar will daher die wichtigsten Aspekte der komplexen Entwicklung beleuchten. Neben den Hintergründen der Revolution wollen wir uns ihren Bühnen und Akteuren (etwa „Straßenpolitik“, Parlamente, Vereinswesen) und der Kommunikationsrevolution zuwenden. Auch die Handlungsspielräume von Minderheiten oder Frauen sollen in den Fokus der Betrachtung gestellt werden. Darüber hinaus beschäftigt uns neben den zentralen Problemen der Frankfurter Nationalversammlung (etwa Schleswig-Holstein-Frage, Recht auf Arbeit) und dem Ende der Revolution (etwa Reichsverfassungskampagne, Erfurter Union) auch die Konstruktion von Mythen und Traditionen während und nach der Revolution (etwa Heckerkult, „Streit der Erben“).

Literatur: Rüdiger Hachtmann: Epochenschwelle zur Moderne. Einführung in die Revolution von 1848/49. Tübingen 2002; Wolfram Siemann: Die deutsche Revolution von 1848/49. Frankfurt a.M. 1985 u.ö. Verbindliche Lektüre für den Technikkurs: Nils Freytag/ Wolfgang Piereth: Kursbuch Geschichte. Tipps und Regeln für wissenschaftliches Arbeiten. 4. aktual. und erw. Aufl. Paderborn u.a. 2009.

 

Übung (QuF): Der Deutsche Bund (1815-1866)
2-stündig, Do 15-17 Uhr c.t., Amalienstr. 52 (K), 401,

Illiberales "vorsintflutliches Monstrum" (Hagen Schulze) oder "prototype of the present United Nations" (Enno Kraehe) − kaum ein Thema der deutschen Geschichte des 19. Jahrhunderts rief unter Zeitgenossen und Historikern widersprüchlichere Wertungen hervor als der 1815 gegründete Deutsche Bund. Es muss deshalb überraschen, dass die Bundesgeschichte vergleichsweise wenig untersucht ist. Im Gegensatz zur lange vorherrschenden Fokussierung auf die repressiven Elemente betont dagegen die neuere Forschung etwa die Entwicklungsfähigkeit des Bundes und seine Bedeutung für die 'innere' Nationsbildung. Um diese Spannungen auszuloten, widmen wir uns konkret folgenden Themenfeldern: Entstehung und Aufbau, Repression und Reform (u.a. Karlsbader Beschlüsse, liberale Reforminitiativen), das Verhältnis zu Nation und Europa (u.a. Rheinkrise 1840), Alternativen und Modellcharakter (u.a. Zollverein, deutsche Frage im 20. Jh.)

Anmeldung per E-Mail schicken an K.Seidl@lrz.uni-muenchen.de E-Mail

Literatur: Jürgen Müller: Der Deutsche Bund. 1815-1866. München 2006; Anselm Doering-Manteuffel: Die deutsche Frage und das europäische Staatensystem 1815-1871. München 1993.