Neueste Geschichte und Zeitgeschichte
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Lehrveranstaltungen im Sommersemester 2011


Prof. Dr. Wolfram Siemann


HAUPTSEMINAR / VERTIEFUNGSKURS: "Völkerfrühling" im Nationalstaat? Die deutsche Frage in Mitteleuropa 1848/49
Do 11.00-14.00 Uhr, Raum: 401 Historicum

Achtung: Anmeldung ab sofort im Sekretariat, Zi. 125 Historicum (bitte, soweit schon vorhanden, Zwischenprüfungszeugnis bzw. Scheine mitbringen bzw. nachreichen).
Vorbesprechung (ca. 1 Std.) am Do, 10. Februar 2010, 17:00 (s.t.!!) Uhr (Raum A 226 im Historicum)

Das Hauptseminarprogramm stellt die Fundamentalkraft und Zukunftsvision des 19. Jahrhunderts in den Mittelpunkt: die Emanzipation der Nationalitäten zur Staatlichkeit. 'Nation' als Politikum, Religionsersatz, Erinnerungsgemeinschaft und Zukunftskonzept wird während der Revolution von 1848/49 zum Problem. Das Seminar soll die damit verbundenen Ambivalenzen „von der Humanität durch Nationalität zur Bestialität" (Franz Grillparzer 1849) kritisch erörtern. Im Mittelpunkt stehen die Versuche zur Organisation der nationalen Bewegungen, der politischen Selbstbestimmung, der Staatsbildung und sowie die Perspektiven, die Utopie des allseits ersehnten 'Völkerfrühlings' in die Praxis umzusetzen. Ebenso sollen die aufkommenden Bruchlinien und Konflikte behandelt werden, welche sich aus dem Zusammenstoß benachbarter Nationalitäten aufbauten und eben diesen 'Völkerfrühling' zerstörten. Das Hauptaugenmerk gilt dem mitteleuropäischen Raum, wo die nichtdeutschen Nationalitäten besonders intensiv mit der deutschen Reichsbildung konfrontiert waren.

Hinweis: Die Lehrveranstaltungen nutzen das Instrument des Virtuellen Seminarraums. Interessierte Teilnehmer mögen sich rechtzeitig vor Beginn um ihre Campus-Kennung als Zugangsvoraussetzung kümmern.

Prüfungsformen im BA und im modularisierten Lehramt: RE, KL, HA

Literatur:
Dieter Langewiesche: Reich, Nation, Föderation. Deutschland und Europa, München 2008; Wolfram Siemann: Die deutschen Revolution von 1848/49, Frankfurt/M. 1985; Rüdiger Hachtmann: Epochenschwelle zur Moderne. Einführung in die Revolution von 1848/49, Tübingen 2002; Dieter Dowe, Heinz-Gerhard Haupt, Dieter Langewiesche (Hrsg.): Europa 1848. Revolution und Reform, Bonn 1998; Barbara Haider und Hans Peter Hye (Hrsg.): 1848 - Ereignis und Erinnerung in den politischen Kulturen Mitteleuropas. Wien 2003; Rudolf Jaworski, Robert Luft (Hrsg.): 1848/49. Revolutionen in Ostmitteleuropa, München 1996; die einschlägigen Bände aus dem Werk Die Habsburgermonarchie 1848/49, hrsg. v. Helmut Rumpler, Peter Urbanitsch, und zwar Bd. VIII: Politische Öffentlichkeit und Zivilgesellschaft (Wien 2006), Teilbd. 1: Vereine Parteien und Interessenverbände als Träger der politischen Partizipation, Teilbd. 2: Die Presse als Faktor der politischen Mobilisierung; Bd. IX: Soziale Strukturen. Von der feudal-agrarischen zur bürgerlich-industriellen Gesellschaft (Wien 2010), Teilbd. 1: Lebens- und Arbeitswelten in der Industriellen Revolution; Teilbd. 2: Von der Stände- zur Klassengesellschaft.

- Weitere Lektürehinweise werden im Seminar und speziell im Virtuellen Seminarraum bekannt gegeben.

 

OBERSEMINAR/ Colloquium: Besprechung von Examensarbeiten und hochkarätigen Neuerscheinungen
Mi 18.00-20.00 Uhr, Raum: 402 Historicum

 


Dr. Peter Helmberger

BK/PS: Einführung in das Studium der Neueren und Neuesten Geschichte: Das Habsburgerreich 1790-1848
Di., 8.00-11.00 Uhr, Raum 001 Historicum

Das Habsburgerreich wird (mindestens umgangssprachlich) häufig mit 'Österreich' gleichgesetzt. Diese Begrifflichkeit wird allerdings der Vielschichtigkeit und Heterogenität des habsburgischen Herrschaftsgebiets nur teilweise gerecht. Auch der 1804 angenommene Titel 'Kaiser von Österreich' kann leicht in die Irre führen, wenn damit automatisch eine einheitsstaatliche Politik in allen Landesteilen verbunden wird. Ziel des Seminars ist es daher, die Auseinandersetzung mit den großen Herausforderungen der Zeit (Französische Revolution, napoleonische Eroberungspolitik, 'Restauration' und 'Vormärz') aus dem Blickwinkel des Vielvölkerstaates zu untersuchen. Hierbei soll auch die innere Organisation der habsburgischen Herrschaft (mit ihren Chancen und Problemen) erörtert werden.

In der Veranstaltung wird der sog. 'Virtuelle Seminarraum' (Informationen: http://www.lmu.de/webseminar) genutzt werden. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmern sollten sich daher bitte (sofern noch nicht vorhanden) vorab eine campus-Kennung besorgen.

Prüfungsformen im BA und im modularisierten Lehramt: RE, KL, HA

Literatur:
Helmut Rumpler: Eine Chance für Mitteleuropa. Bürgerliche Emanzipation und Staatsverfall in der Habsburgermonarchie, Wien 2005.
Für die Technikübung: Nils Freytag / Wolfgang Piereth: Kursbuch Geschichte. Tipps und Regeln für wissenschaftliches Arbeiten, 4., aktual. Aufl. Paderborn 2009.

 

ÜBUNG: Reformen und Reformer in den Deutschen Staaten (1800-1820) (Quellen & Forschung),
Mi., 10.00-12.00 Uhr, Raum: 507 Historicum

In den Anfangsjahren des 19. Jahrhunderts sind in verschiedenen deutschen Staaten - ausgelöst durch die intellektuelle Herausforderung der Ideen der Französischen Revolution oder als Reaktion auf die militärische Niederlage gegen Napoleon - Reformanstrengungen auf zahlreichen Gebieten zu beobachten. Als deren bekannteste gelten die 'preußischen Reformen', die vor allem mit den Namen Stein und Hardenberg verbunden sind. Das Spektrum der Veränderungen (oder Veränderungsvorschläge) reicht von der Agrarverfassung und Gewerbeordnung, der Bildungspolitik oder dem Militärwesen bis hin zur Umstrukturierung des Verwaltungswesens oder des Staatsaufbaus. In der Übung werden ausgewählte Reformbemühungen (mit ihren Konsequenzen und Grenzen) sowie die sie propagierenden Personen (mit ihrer jeweiligen Motivation und ihren Zielen) näher betrachtet.

In der Veranstaltung wird der sog. 'Virtuelle Seminarraum' (Informationen: http://www.lmu.de/webseminar) genutzt werden. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmern sollten sich daher bitte (sofern noch nicht vorhanden) vorab eine campus-Kennung besorgen.

Anmeldung zur Übung bitte ab sofort per E-Mail: uebung2011@gmx.net

Prüfungsform im BA und im modularisierten Lehramt: RE

Literatur:
Heinz Duchhardt: Freiherr vom Stein. Preußens Reformer und seine Zeit, München 2010 sowie (v.a. für Studierende in den ersten Semestern) Nils Freytag / Wolfgang Piereth: Kursbuch Geschichte. Tipps und Regeln für wissenschaftliches Arbeiten, 4., aktual. Aufl. Paderborn 2009.

 


Klaus Seidl, M.A.

BK/PS: Die Revolution von 1848/49 in Deutschland 3-stündig
Fr., 13.00-16.00 Uhr, Raum: 401 Historicum

Spätestens seit ihrem 150jährigen Jubiläum gehört die Revolution von 1848/49 zu den am besten erforschten Themen der deutschen Geschichte. Während die ältere Forschung noch lange an der Vorstellung einer gescheiterten "bürgerlichen" Revolution festhielt, betonen dagegen neuere Arbeiten die Vieldimensionalität der revolutionären Erfahrungen, und relativieren damit auch die zentrale Kategorie ihres Scheiterns. Das Seminar will daher die wichtigsten Aspekte der komplexen Entwicklung beleuchten. Neben den Hintergründen der Revolution wollen wir uns ihren Bühnen und Akteuren (etwa "Straßenpolitik", Parlamente, Vereinswesen) und der Kommunikationsrevolution zuwenden. Auch die Handlungsspielräume von Minderheiten oder Frauen sollen in den Fokus der Betrachtung gestellt werden. Darüber hinaus beschäftigt uns neben den zentralen Problemen der Frankfurter Nationalversammlung (etwa Schleswig-Holstein-Frage, Recht auf Arbeit) und dem Ende der Revolution (etwa Reichsverfassungskampagne, Erfurter Union) auch die Konstruktion von Mythen und Traditionen während und nach der Revolution (etwa Heckerkult, "Streit der Erben").

Prüfungsformen im BA und im mod. Lehramt: RE, KL, HA

Literatur:
Rüdiger Hachtmann: Epochenschwelle zur Moderne. Einführung in die Revolution von 1848/49. Tübingen 2002; Wolfram Siemann: Die deutsche Revolution von 1848/49. Frankfurt a.M. 1985 u.ö. Verbindliche Lektüre für den Technikkurs: Nils Freytag/ Wolfgang Piereth: Kursbuch Geschichte. Tipps und Regeln für wissenschaftliches Arbeiten. 4. aktual. und erw. Aufl. Paderborn u.a. 2009.

 

Übung: Bayern 1848/49  (Quellen & Forschung)
Blockveranstaltung! Termine: Samstag, 11.6. u. 25.6., jeweils von 9.00-18.00 Uhr

"Arme Revolution, die du dich nach München verirrt hattest! Der altbayerische Stumpfsinn feierte einen vollständigen und glänzenden Triumph", jammerte der radikaldemokratische Publizist Gustav Diezel Ende 1849 im Schweizer Exil. (Alt-)Bayern und Revolution, das wollte - nicht nur für Diezel - einfach nicht zusammenpassen. Wenn man heutzutage auch gemeinhin die Revolution 1848/49 in Bayern gerne auf die Lola-Montez-Affäre und die darauf folgende Abdankung Ludwig I. verengt, so muss man doch feststellen, dass die Revolution die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse Bayerns nachhaltiger verändert hat als in vielen anderen deutschen Ländern. In der Übung wollen wir die spezifisch bayerischen Ausprägungen von Revolution und Reaktion näher untersuchen. Dabei werden wir insbesondere auch die in der Staatsbibliothek zahlreich vorhandene zeitgenössische Presse einbeziehen.

Prüfungsform im BA und im mod. Lehramt: RE

Anmeldung per E-Mail ( k.seidl@lrz.uni-muenchen.de ).

Die Vorbesprechung und Themenvergabe findet am Donnerstag, den 5.5. von 16-18 Uhr, R 022 statt.

Literatur:
Hermann Reiter: Die Revolution 1848/49 in Bayern. Bonn 1998; Max Spindler (Hg.): Handbuch der bayerischen Geschichte, Bd. IV, 2.Aufl. 2003/2007.