Neueste Geschichte und Zeitgeschichte
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Lehrveranstaltungen im Wintersemester 2008/2009

Prof. Dr. Bernhard Löffler

VORLESUNG: Deutsche Geschichte 1800 bis 1848
(geeignet für die Zwischenprüfung), 2std., Mi. 14.00-16.00 Uhr,  LMU-Hauptgebäude A240

Die Vorlesung nimmt den Epochenübergang vom ausgehenden Alten Reich über die Napoleonische Zeit und die Restaurationsphase bis hin zur Revolution von 1848/49 in den Blick. Strukturelle Kontinuitätslinien und langfristige gesellschaftliche, wirtschaftliche, kulturelle und ideengeschichtliche Grundlagen zwischen Wandel und Beharrung (demographische Entwicklung; Wirtschaftsstruktur; Vorstellungen und Konzeptionen von Nation, Nationalität und Nationalstaat; Nebeneinander „feudaler“ und „bürgerlicher“ Elemente der Rechts- und Gesellschaftsordnung etc.) kommen dabei ebenso zur Sprache wie die zentralen politischen Entwicklungsstränge und Zäsuren der Zeit (etwa der Einschnitt des Wiener Kongresses, die Organisation und Politik des Deutschen Bundes oder Formierung, Institutionalisierung, öffentliche Ausdrucksformen und Symbolik der entstehenden Nationalbewegung).

Literatur: Elisabeth Fehrenbach, Vom Ancien Régime zum Wiener Kongreß (OGG 12), 5. Aufl. München 2008; Alexa Geisthövel, Restauration und Vormärz 1815-1847, Paderborn 2008; Wolfgang Hardtwig, Vormärz. Der monarchische Staat und das Bürgertum, 4. Aufl. München 1998; Dieter Langewiesche, Europa zwischen Restauration und Revolution 1815-1849 (OGG 13), 4. Aufl. München 2004; Jürgen Müller, Der deutsche Bund 1815-1866 (EDG 78), München 2006; Thomas Nipperdey, Deutsche Geschichte 1800-1866. Bürgerwelt und starker Staat, München 1983; Wolfram Siemann, Vom Staatenbund zum Nationalstaat. Deutschland 1806-1871 (Neue deutsche Geschichte 7), München 1995.

 

HAUPTSEMINAR: Globalisierung um 1900. Felder, Umfang und Grenzen transnationaler Verflechtung im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert.
3std., Di 18.00-21.00 Uhr, Historicum 226

Die viel zitierte Globalisierung unserer Tage kennt durchaus Vorläufer. Zentrale Bereiche von Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur erscheinen in den Zeiten der sich voll entfaltenden kapitalistischen Industriegesellschaften und Nationalstaaten Europas mit ihren imperialen Ansprüchen und expansiven Bestrebungen zwischen 1880 und 1914 kaum weniger in übernationale bzw. internationale Zusammenhänge eingebunden und von weltweiten Austauschprozessen und Interaktionen abhängig, als dies heute der Fall ist. Hingewiesen sei nur auf die zahlreichen Weltausstellungen und anderen Formen transnationaler Kulturtransfers (Treffen in Kurbädern, gemeinsame Prägungen von Konsumgeschmack und Modetrends etc.), auf die steigende Bedeutung der Außenhandelspolitik, der Unternehmensinvestitionen im Ausland und allgemein der engeren Verflechtung von Weltmarkt und Finanzmärkten (z. B. im internationalen Goldstandard), auf die massenhaften Migrationsströme (Auswanderungen oder ausländische Saisonarbeit mit ihren tief greifenden mentalitätsgeschichtlichen Folgen) oder auf das enge diplomatische Beziehungsgeflecht und Konferenzgeschäft angesichts vieler Konfliktherde im Zeichen des Kolonialismus. Das Seminar will, ausgehend vom Beispielfall des deutschen Kaiserreichs, diese verschiedenen Facetten in ihrem beträchtlichen Umfang, aber auch ihren Grenzen und national(istisch)en Begrenztheiten („globaler Nationalismus“ und „kolonialer Charakter von Globalität“, S. Conrad) thematisieren und in diesem Kontext nicht zuletzt Relevanz und Tragfähigkeit neuerer analytisch-methodischer Konzepte einer transnationalen Geschichte oder einer kultur- und gesellschaftshistorisch „erweiterten“ Geschichte der internationalen Beziehungen überprüfen.

Literatur: Sebastian Conrad/Jürgen Osterhammel (Hg.), Das Kaiserreich transnational. Deutschland in der Welt 1871- 1914, Göttingen 2004; Sebastian Conrad, Globalisierung und Nation im Deutschen Kaiserreich, München 2006; Eckart Conze u.a. (Hg.), Geschichte der internationalen Beziehungen. Erneuerung und Erweiterung einer historischen Disziplin, Köln/Weimar 2004; Johannes Paulmann, Pomp und Politik. Monarchenbegegnungen in Europa zwischen Ancien Régime und Erstem Weltkrieg, Paderborn 2000; Hans Pohl (Hg.), Transnational investment from the 19th century to the present, Stuttgart 1994; Cornelius Torp, Die Herausforderung der Globalisierung. Wirtschaft und Politik in Deutschland 1860-1914, Göttingen 2005.

Anmeldung ab sofort im Sekretariat des Lehrstuhls Siemann (Frau Rolofs, Historicum 125).

 

HAUPTSEMINAR: Europäischer Adel im 19. Jahrhundert
3std., Do 14.00-17.00 Uhr, Historicum 401

Das 19. Jahrhundert war für den Adel in Europa – in unterschiedlicher Ausprägung und verschiedenen zeitlichen Phasenschwerpunkten – eine Epoche schmerzhafter Einschnitte und Privilegienverluste wie zugleich Experimentierraum moderner Anpassungs- und Überlebensstrategien im zähen „Kampf ums Obenbleiben“ (W. Sombart). Dieses Spannungsfeld wird im Seminar abgeschritten und zum einen in national-vergleichender Weise, zum anderen in thematischen Zugriffen auf bestimmte Aktions- und Problemfelder adeliger Existenz (Grundbesitz und agrarische Interessenpolitik, Verhältnis des Adels zu Bürgertum und modernen Unternehmensformen, politisches Wirken in Herrenhäusern und Hofgesellschaften, adelige Kultur und interne Differenzierungen des Adels, adelige Erziehung und Familienleben, Formen und Wirkungen adeligen Prestiges und „symbolischen Kapitals“ etc.) analysiert.

Literatur: Ronald G. Asch (Hg.), Adel in der Neuzeit, Göttingen 2007; Eckart Conze/Monika Wienfort (Hg.), Adel und Moderne. Deutschland im europäischen Vergleich im 19. und 20. Jahrhundert, Köln/Weimar 2004; Walter Demel, Der europäische Adel. Vom Mittelalter bis zur Gegenwart, München 2005; Dominic Lieven, Abschied von Macht und Würden. Der europäische Adel 1815-1914, Frankfurt/Main 1995; Les noblesses européenes au XIXe siècle. Actes du colloque organisé par l’École française de Rome, Paris 1988; Heinz Reif, Adel im 19. und 20. Jahrhundert (EDG 55), München 1999; Hans-Ulrich Wehler (Hg.), Europäischer Adel 1750-1950, Göttingen 1990.

Anmeldung ab sofort im Sekretariat des Lehrstuhls Siemann (Frau Rolofs, Historicum 125).


Dr. Peter Helmberger

PROSEMINAR: Der deutsche Dualismus (1815-1879)
4std., Mi 8.00-11.00 Uhr, Historicum 401

Der sogenannte ‚Deutsche Dualismus‘, also die Konkurrenz zwischen (Brandenburg-) Preußen und Österreich, zählt zu den bestimmenden Faktoren der deutschen Geschichte im 18. und 19. Jahrhundert. Die Veranstaltung konzentriert sich auf die Jahre zwischen dem Wiener Kongress (1814/1815) und dem Abschluss des Zweibundes (1879), berücksichtigt darüber hinaus aber ausdrücklich auch die Vorgeschichte des Konflikts sowie das Verhältnis zwischen Österreich-Ungarn und dem Deutschen Kaiserreich am Ende des 19. Jahrhunderts. Neben den beiden Kontrahenten sollen im Seminar auch die Bedeutung, die Rolle und das Verhalten der Staaten des ‚Dritten Deutschland‘ (v.a. Baden, Bayern, Sachsen, Württemberg) näher untersucht werden.

Literatur: Wolfram Siemann: Vom Staatenbund zum Nationalstaat. Deutschland 1806 - 1871, München 1995. Dieter Langewiesche: Europa zwischen Restauration und Revolution 1815-1849, 5. Aufl. München 2007. Lothar Gall: Europa auf dem Weg in die Moderne 1850-1890, 3., überarb. u. erw. Aufl. München 1997. Für die Technikübung: Nils Freytag / Wolfgang Piereth: Kursbuch Geschichte. Tipps und Regeln für wissenschaftliches Arbeiten, 3., aktual. u. erw. Aufl. Paderborn 2008.

 

ÜBUNG: Terror und politische Attentate im 19. Jahrhundert
2std., Di 10.00-12.00 Uhr, Historicum 202

Obwohl gesellschaftlich exponierte Persönlichkeiten zu allen Zeiten Opfer körperlicher Gewalt wurden, erlangte dieses Phänomen im 19. Jahrhundert weltweit eine gänzlich neue Dimension. Vor allem gegen Ende des Jahrhunderts ist ein bemerkenswerter Anstieg derartiger Anschläge zu verzeichnen. Galt der Großteil der Attentatsversuche zunächst (gekrönten) Staatsoberhäuptern und Politikern, so wurden bald auch andere Bevölkerungsteile und – vor allem mit der zunehmenden Verbreitung von Dynamit – Gebäude sowie, in Ausnahmefällen, unspezifische Personengruppen zu Zielen von Gewaltakten. Die Täter (einzelne Personen wie auch Gruppierungen) besaßen höchst unterschiedliche Motive: Das Spektrum reichte von sehr persönlichen Ursachen bis hin zu theoretisch aufwändig untermauerten Legitimationsversuchen der Gewaltanwendung. In der Veranstaltung sollen eine Reihe von Attentaten und die jeweils vorgebrachten Begründungen näher untersucht werden. Letzteren gilt hierbei – ausgehend von der moralischen Rechtfertigung des Terreurs in der Französischen Revolution – das besondere Augenmerk.

Literatur: A. Demandt (Hg.): Das Attentat in der Geschichte, Köln 1996; M. Sommer (Hg.): Politische Morde. Vom Altertum bis zur Gegenwart, Darmstadt 2005. Andrew R. Carlson: Anarchismus und individueller Terror im Deutschen Kaiserreich, 1870–1890, in: W. J. Mommsen/G. Hirschfeld (Hgg.): Sozialprotest, Gewalt, Terror. Gewaltanwendung durch politische und gesellschaftliche Randgruppen im 19. und 20. Jh., Stuttgart 1982, 207-236. J. von Uthmann: Attentat. Mord mit gutem Gewissen, Berlin 1996.


Klaus Seidl, M.A.

PROSEMINAR: Die Revolution von 1848/49 in Deutschland
4std., Fr 14.00-17.00 Uhr, Historicum, Raum 001

Spätestens seit ihrem 150jährigen Jubiläum gehört die Revolution von 1848/49 zu den am besten erforschten Themen der deutschen Geschichte. Während die ältere Forschung noch lange an der Vorstellung einer gescheiterten „bürgerlichen“ Revolution festhielt, betonen dagegen neuere Arbeiten die Vieldimensionalität der revolutionären Erfahrungen, und relativieren damit auch die zentrale Kategorie ihres Scheiterns. Das Seminar will daher die wichtigsten Aspekte der komplexen Entwicklung beleuchten. Neben den Hintergründen der Revolution wollen wir uns ihren Bühnen und Akteuren (etwa „Straßenpolitik“, Parlamente, Vereinswesen) und der Kommunikationsrevolution zuwenden. Auch die Handlungsspielräume von Minderheiten oder Frauen sollen in den Fokus der Betrachtung gestellt werden. Darüber hinaus beschäftigt uns neben den zentralen Problemen der Frankfurter Nationalversammlung (etwa Schleswig-Holstein-Frage, Recht auf Arbeit) und dem Ende der Revolution (etwa Reichsverfassungskampagne, Erfurter Union) auch die Konstruktion von Mythen und Traditionen während und nach der Revolution (etwa Heckerkult, „Streit der Erben“).

Literatur: Rüdiger Hachtmann: Epochenschwelle zur Moderne. Einführung in die Revolution von 1848/49. Tübingen 2002; Wolfram Siemann: Die deutsche Revolution von 1848/49. Frankfurt/Main 1985 u.ö. Verbindliche Lektüre für den Technikkurs: Nils Freytag/ Wolfgang Piereth: Kursbuch Geschichte. Tipps und Regeln für wissenschaftliches Arbeiten. 3. aktual. und erw. Aufl. Paderborn u.a. 2008.