Neueste Geschichte und Zeitgeschichte
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Lehrveranstaltungen im Wintersemester 2010/2011

Prof. Dr. Wolfram Siemann

VORLESUNG:'Alteuropa' und 'Moderne' II: Adelsherrschaft und Durchbruch der bürgerlichen Gesellschaft
(für BA: Abschluss mit Klausur)
2stündig, Mi 14-16 Uhr, Raum wird noch bekannt gegeben, Beginn: 20.10.2010

Die Vorlesung bildet den zweiten Teil einer Trilogie, welche den Untergang 'Alteuropas' und die folgende große Transformationsperiode bis an die Schwelle der Hochindustrialisierung und ausgebildeter Staatsnationen darstellt (1789–1866/71). Der historische Horizont ist der Zerfall der supranationalen Großreiche (des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation, des Zarenreiches, des Osmanischen Reiches). Im Zentrum befindet sich die mitteleuropäische Geschichte: die Zwitterordnung der habsburgischen Föderation und des Deutschen Bundes. Die Krise der 'Moderne' soll anschaulich werden in ihren Trägern und Opfern, ihren Propheten und Profiteuren, ihren ökonomischen und sozialen Umbrüchen. Der zweite Teil dieses Zyklus behandelt die Konsolidierung der europäischen Gesellschaften nach der zwanzigjährigen Kriegsperiode, die Konfrontation zwischen restaurativen Tendenzen und den Bewegungen des nationalen Aufbruchs, der sich europaweit in der Utopie eines kommenden 'Völkerfrühlings' verfestigte und in europäische Organisationen drängte (z.B. „Junges Europa“). Besondere Aufmerksamkeit wird auch den alten aristokratischen Eliten und ihrer Anpassungsfähigkeit gelten, sich den Herausforderungen einer Gesellschaft zu stellen, deren Losung „Lohnarbeit und Klassenbildung“ wurde.

LITERATUR:

Wolfram Siemann: Vom Staatenbund zum Nationalstaat. Deutschland 1806–1871. München 1995; Helmut Rumpler: Österreichische Geschichte 1804–1914 – Eine Chance für Mitteleuropa, Wien 2005.

Hinweis: Die Lehrveranstaltungen nutzen das Instrument des Virtuellen Seminarraums (Informationen). Interessierte Teilnehmer mögen sich rechtzeitig vor Beginn  um ihre Campus-Kennung als Zugangsvoraussetzung kümmern.


HAUPTSEMINAR: Nationalitäten und Staatlichkeit II: Der Durchbruch im ‚Völkerfrühling‘ 1815–1847
3-stündig, Do 11-14 Uhr, Raum: Historicum/Amalienstr. 52, R 201 , Beginn: 21.10.2010


Achtung: Anmeldung ab sofort im Sekretariat, Zi. 125 Historicum (bitte, soweit schon vorhanden, Zwischenprüfungszeugnis bzw. Scheine mitbringen bzw. nachreichen).

Vorbesprechung (ca. 1 Std.) am Mi, 14. Juli 2010, 18:15 Uhr (Raum A 402 im Historicum)


Das Hauptseminarprogramm ist parallel zum dreiteiligen Vorlesungszyklus konzipiert. Während die Vorlesung den Zerfall und die Umgestaltung der europäischen Gesellschaft betont, stellt das Hauptseminar die Fundamentalkraft und Zukunftsvision des 19. Jahrhunderts in den Mittelpunkt: die Emanzipation der Nationalitäten zur Staatlichkeit. 'Nation' als Politikum, Religionsersatz, Erinnerungsgemeinschaft und Zukunftskonzept wird in ihrer Prägephase zwischen 1815 und 1847 zum Problem. Das Seminar soll die damit verbundenen Ambivalenzen "von der Humanität durch Nationalität zur Bestialität" (Franz Grillparzer 1849) kritisch erörtern und die historischen Bedingungen ergründen. Im Mittelpunkt stehen die Organisationsversuche der nationalen Bewegungen auf europäischer Ebene, politische Selbstbestimmung, Staatsbildung und europäische Kooperationen zusammenzuführen und die Utopie des allseits ersehnten 'Völkerfrühlings' umzusetzen. Ebenso sollen die aufkommenden Bruchlinien und Konflikte behandelt werden, welche sich aus dem Zusammenstoß benachbarter Nationalitäten aufbauten und eben diesen 'Völkerfrühling‘ zerstörten.

LITERATUR: Dieter Langewiesche: Föderative Nation (Hrsg. gemeinsam mit Georg Schmidt), München 2000; Ders.: Nation, Nationalismus, Nationalstaat in Deutschland und Europa, München 2000; Ders.: Nation und Religion in der deutschen Geschichte (Hrsg. mit Heinz-Gerhard Haupt), Frankfurt/M 2001; Ders.: Reich, Nation, Föderation. Deutschland und Europa. München 2008.

– Weitere Lektüre¬hinweise werden im Seminar und speziell im Virtuellen Seminarraum bekannt gegeben (Zum Virtuellen Seminarraum s. Vorlesung).


Colloquium: Besprechung von Examensarbeiten und hochkarätigen Neuerscheinungen

2-stündig, Mi 18-20 Uhr, Raum: Historicum/Amalienstr. 52, R 302


Dr. Peter Helmberger

BK/PS: Einführung in das Studium der Neueren und Neuesten Geschichte:
Geschichte des Kaiserreichs 1871-1890 (KL/RE/HA)
Mi., 8.00-11.00 Uhr, Raum: 201

Das Deutsche Kaiserreich präsentiert sich gemeinhin als höchst widerspruchsvolle Epoche: Es schwankte zwischen den Extremen einer (von wirtschaftlicher Hochkonjunktur begleiteten) dynamischen Modernisierung und dem strikten Beharren auf (längst unzeitgemäßen) Traditionen. Der neue Staat im Zentrum Europas musste seinen Platz im 'Konzert der Mächte' finden oder definieren, und parallel zeigte sich verstärkt, dass - auf vielen Gebieten - der äußeren Reichseinigung erst noch eine innere Reichsgründung folgen musste. Das Seminar widmet sich diesen Spannungsfeldern mit Blick auf die Jahre 1871 bis 1890. Von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern wird im Vorfeld des Seminars die Lektüre des angegebenen Titels von Volker Ulrich erwartet.

In der Veranstaltung wird der sog. 'Virtuelle Seminarraum' (Informationen) genutzt werden. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmern sollten sich daher bitte (sofern noch nicht vorhanden) vorab eine Campus-Kennung besorgen.

Literatur:

Volker Ulrich: Die nervöse Großmacht 1871-1918. Aufstieg und Untergang des deutschen Kaiserreichs, Frankfurt/M. 1999 (1. Aufl. 1997). Lothar Gall: Europa auf dem Weg in die Moderne 1850-1890, 4. Aufl., München 2004. Für die Technikübung: Nils Freytag / Wolfgang Piereth: Kursbuch Geschichte. Tipps und Regeln für wissenschaftliches Arbeiten, 4., aktual. Aufl. Paderborn 2009.


ÜBUNG: Das Verfassen von Rezensionen (Vermittlung & Präsentation) (ES)
Di., 12.00-14.00 Uhr, Raum: 327


Der Nutzen von Rezensionen für die Behandlung wissenschaftlicher Themen ist allgemein bekannt: Man wird über den Aufbau, die wichtigsten Thesen und Ergebnisse (neuer) Bücher informiert und kann auf dieser Grundlage entscheiden, ob die Publikation für die eigene Arbeit Relevanz besitzt. Darüber hinaus lässt sich mit Hilfe von Besprechungen die vorgefundene Forschungsliteratur insgesamt besser einschätzen (Qualität; Forschungstrends; historische 'Schulen'). Trotz dieser Vorteile finden Rezensionen im studentischen Arbeitsalltag oft erstaunlich wenig Verwendung. An dieser Stelle setzt die Übung an, die sich drei Arbeitsfeldern widmet: dem Auffinden von Rezensionen in gedruckten und online verfügbaren Medien; der Diskussion von mehreren Besprechungen zu einer Publikation; dem Verfassen einer eigenen Rezension. Letztere sollen in der Veranstaltung vorgestellt und besprochen werden.

In der Veranstaltung wird der sog. 'Virtuelle Seminarraum' (Informationen) genutzt werden. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmern sollten sich daher bitte (sofern noch nicht vorhanden) vorab eine Campus-Kennung besorgen.

Anmeldung zur Übung bitte ab sofort per E-Mail: rezensionen@gmx.net

Literatur: (V.a. für Studierende in den ersten Semestern): Nils Freytag / Wolfgang Piereth: Kursbuch Geschichte. Tipps und Regeln für wissenschaftliches Arbeiten, 4., aktual. Aufl. Paderborn 2009.


Klaus Seidl, M.A.

BK/PS: Aufbruch und Reaktion: Deutschland 1849-1871. [KL/RE/HA]
Fr., 13.00-16.00 Uhr, R 201 Historicum

Blickt man in die meisten Überblicksdarstellungen zur deutschen Geschichte des 19. Jahrhunderts, so kann man sich insbesondere für die Reaktionsdekade nach 1849 in der Tat im historischen „Niemandsland“ wähnen (Siemann). Wer dabei glaubt, von „‚toten Jahren’ in der deutschen Geschichte“ (Kersten) sprechen zu können, verkennt allerdings die charakteristische Widersprüchlichkeit der Reaktions- und Reichsgründungsära, die mehr war als nur eine unbedeutende Durchgangszeit zwischen gescheiterter Revolution und bismarckscher Reichsgründung. Zeitgleich mit der energischen politischen Unterdrückung vollzog sich der Durchbruch der Industrialisierung und geriet auch die Gesellschaft in Bewegung. Im Seminar wollen wir uns den Ausprägungen dieser „Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen“ auf den Gebieten der Politik (etwa „Neue Ära“), Wirtschaft (etwa industrieller ‚Take-off’), Gesellschaft (etwa Organisation und Selbstverständnis des Bürgertums) und Kultur (etwa Schillerfeier 1859) zuwenden.

Literatur: Wolfram Siemann: Gesellschaft im Aufbruch. Deutschland 1849-1871. Frankfurt a.M. 1990. Nils Freytag/ Wolfgang Piereth: Kursbuch Geschichte. Tipps und Regeln für wissenschaftliches Arbeiten. 4. aktual. und erw. Aufl. Paderborn u.a. 2009. - Beide Bücher sind für alle Teilnehmenden während des Semesters verbindlich zu lesen.


ÜBUNG: „Männer machen Geschichte“? Biographien des 19. Jahrhunderts. [RE]
(ÜTM), Mi., 11.00 - 13.00 Uhr, R 302

Theorieresistentes „Genre für alte Männer“ − „letzte Auffangstellung des deutschen Historismus“ − „Bastard der Geisteswissenschaften“: Die Auseinandersetzung zwischen  Historismus und Strukturgeschichte war auch eine „Schlacht um die Biographie“(Szöllösi-Janze). Auf den methodologischen Streit der letzten Jahrzehnte folgt zur Zeit ein erstaunlicher Trend „zurück zur Biographie“. In der Übung wollen wir uns daher den Chancen und Grenzen der historischen Biographik theoretisch und praktisch nähern. Theoretisch, indem wir einerseits den Stellenwert der Biographie als Modus des Historismus (etwa bei Dilthey) ebenso untersuchen wollen wie andererseits die zahlreichen Kritiken (etwa Kracauer, Bourdieu). Praktisch, indem wir die Auswirkungen der Theoriedebatte am Beispiel verschiedener neuerer Biographien überprüfen. Neben einschlägigen Beispielen aus der ersten und zweiten Reihe der Politik (Metternich, Bismarck - Blum, Gagern, Otto), der Wirtschaft (etwa Robert Bosch) und der Kultur (etwa Wilhelm Busch) sollen auch neuere Formen der Biographik (etwa die Kollektivbiographie) in den Blick kommen.

Anmeldung perE-Mail schicken an E-Mail

Literatur: Christian Klein (Hg.): Handbuch Biographie. Methoden, Traditionen, Theorien. Stuttgart-Weimar 2009; Bernhard Fetz (Hg.): Die Biographie − Zur Grundlegung ihrer Theorie. Berlin-New York 2009.