Neueste Geschichte und Zeitgeschichte
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Lehrstuhl für Zeitgeschichte (Prof. Dr. Margit Szöllösi-Janze)

Die Farben der Geschichte sind nicht schwarz und weiß, sondern grau, hat einmal ein bedeutender Münchner Historiker gesagt. Der Lehrstuhl für Zeitgeschichte erteilt in Forschung und Lehre ebenfalls jeder Schwarz-Weiß-Malerei eine Absage, geht aber davon aus, dass Geschichte vor allem ‚bunt’ ist. Seit den 1980er Jahren hat das Fach unter dem Eindruck der Pluralisierung der Theorien, Methoden und Inhalte international eine beispiellose Ausdifferenzierung erlebt. Die Studierenden mit dieser Vielfalt der Geschichtswissenschaft vertraut zu machen, begreifen wir daher als vordringlichste Aufgabe unserer Lehrveranstaltungen. Die Professur bindet die Geschichte des ‚langen’ 20. Jahrhunderts in einen weiter gesteckten zeitlichen Rahmen ein, um Entwicklungslinien zu verdeutlichen. Wir setzen den bisherigen Schwerpunkt im Bereich der Geschichte des Nationalsozialismus fort, greifen aber auch die Dekaden der vorletzten Jahrhundertwende und die Geschichte nach 1945 bis in die jüngste Gegenwart als stark expandierendes Feld auf. Dabei betrachten wir es als notwendig, die deutsche in den Verlauf der europäischen Geschichte einzuordnen. Unsere Themen in der Lehre finden wir auf lokaler wie auf globaler Ebene, in der Kultur- und Mediengeschichte ebenso wie in der Geschlechter-, Wissenschafts-, Gesellschafts- und Politikgeschichte.


Einer konzeptionell wie inhaltlich breit gefächerten Geschichtswissenschaft sind auch die am Lehr-stuhl durchgeführten Forschungsvorhaben verpflichtet. Vier Habilitationsprojekte analysieren komplexe historische Entwicklungen im zeitlichen Längsschnitt. Eines wurde 2017 abgeschlossen: „Kalkulierte Gefahren. Naturkatastrophen und Prävention seit 1800 bis in die 1970/80er Jahre“ (PD Dr. Nicolai Hannig). Die drei laufenden Vorhaben erforschen „Übergangsgesellschaften. Zur Politik und Politisierung im ländlichen Raum, 1850 bis 1950“ (Dr. Anette Schlimm), „Enemy Aliens. The Treatment of Foreign Civilians between Reciprocity, Customary International Law and Political Ideology“ (Dr. Kim Wünschmann) und „Bowlby Revisited. Eine Geschichte der Bindungstheorie im 20. Jahrhundert” (Dr. Claudia Moisel).
Ein dauerhaft verfolgter wissenschaftshistorischer Schwerpunkt definiert Zeitgeschichte über tief greifende Verwissenschaftlichungsprozesse. In letzter Zeit rückten verschiedene Promotionsprojekte die Frage von Konkurrenz und Wettbewerb in den Mittelpunkt: "Konkurrenz zwischen Universitäten im 19. und 20. Jahrhundert“ (Fabian Waßer, Alexander Mayer) sowie „Kooperation und Konkurrenz vor Ort. Die Herausbildung des Standorts München-Martinsried als Zentrum von Lebenswissenschaft und Biotechnologie“ (Magnus Altschäfl, im Rahmen der DFG-Forschergruppe „Kooperation und Konkurrenz in der Wissenschaft). Ein weiterer, langfristig verfolgter Forschungsschwerpunkt liegt auf der Geschichte des Nationalsozialismus, im Besonderen auf der Stadt- und Verwaltungsgeschichte: Hier finanziert die Landeshauptstadt München seit 2009 ein mehrstufig angelegtes Vorhaben zur „Münchner Stadtverwaltung im Nationalsozialismus“, das sich derzeit in seiner dritten Forschungsphase befindet (Astrid Bösl, Jan Neubauer). Derzeit entsteht ein neuer Schwerpunkt in der historischen Gewaltforschung des 19. und 20. Jahrhunderts, im Besonderen zur Gewalt auf der Straße (PD Dr. Nicolai Hannig) und zu linksterroristischen Gewaltgemeinschaften in der Bundesrepublik (Max Gedig).
Der Lehrstuhl bezieht ferner systematisch die Medien als „Maschinen der gesellschaftlichen Vernetzung“ (Hartmut Winkler) in die Erforschung der Zeitgeschichte ein und nutzt systematisch Bilddokumente (Foto, Postkarte), vor allem Filme (Spielfilme, TV) und seit Neuestem Computerspiele (Sebastian Lang) als historische Quellen. Ein von der Gerda-Henkel-Stiftung finanziertes Forschungsprojekt geht am Beispiel der Familie Thaw dem Gefüge von High Society, Medien und Familie in den USA in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts nach (Juliane Hornung, Emanuel Steinbacher). Die Medienstelle des Lehrstuhls verknüpft die Zeitgeschichte in Forschung und Lehre disziplinübergreifend mit den Film-, Medien- und Kunstwissenschaften.


Die Einsichten und Ergebnisse abgeschlossener großer Forschungsvorhaben fließen in die aktuell laufenden weiter ein. Zu erwähnen sind im Besonderen das rechts- und justizhistorische Interesse des Lehrstuhls in Zusammenarbeit mit der Universität zu Köln („NS-Justiz im Krieg, 1939-1945“; „Justiz im Systemwechsel“), das familiengeschichtliche Verbundprojekt „Die Unternehmerfamilie Thyssen im 20. Jahrhundert“ sowie die Leibniz Graduate School "Enttäuschung im 20. Jahrhundert. Utopieverlust - Verweigerung - Neuverhandlung". Letztere steht hier stellvertretend für die enge Kooperation des Lehrstuhls mit dem Institut für Zeitgeschichte München-Berlin. Hervorzuheben ist dabei die Verbindung in Forschung und Lehre mit dem Zentrum für Holocaust-Studien des IfZ, wofür die LMU eine eigene Koordinationsstelle eingerichtet hat (Dr. Kim Wünschmann).
Besonderen Nachdruck legt der Lehrstuhl auf die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses und engagiert sich im strukturierten Promotionsprogramm der Neueren und Neuesten Geschichte ProMoHist.

 

Personen am Lehrstuhl

Forschungsprojekte

Medienstelle im Historicum

Promotionen

Publikationen

Ehemalige MitarbeiterInnen