Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte (Prof. Dr. Wolfram Siemann)
Der Lehrstuhl, formell definiert für Neuere und Neueste Geschichte, hat im Rahmen des Teilfachs "Neueste Geschichte und Zeitgeschichte" seinen Schwerpunkt in der Zeitspanne des so genannten "Langen 19. Jahrhunderts": Sie umgreift die Ära von der "Atlantischen Doppelrevolution" Ende des 19. Jahrhunderts bis zur "Urkatastrophe" des Ersten Weltkriegs. Im Brennpunkt steht – um es bildhaft auf einen Begriff zu bringen – das
Laboratorium der Moderne: Dieses ist gekennzeichnet durch den Zusammenbruch der vormodernen supranationalen Reiche: des Deutschen 'Heiligen Römischen Reiches' mit langen zeitlichen Ausläufern in das 19. Jahrhundert hinein sowie der Habsburgermonarchie. Der 'Niedergang' zwischen Krise und Emanzipation entfesselte die bis heute prägenden Phänomene der 'Moderne': die Verrechtlichung aller Lebensbereiche, nationale Konflikte, neue Kulturtechniken und Ideologeme, gesellschaftliche und politische Bewegungen, Industrialisierung und exponentiales Wachstum, Bevölkerungsexplosion, die ökologische, die Agrar- und Medienrevolution, Migrationen kontinentalen und globalen Ausmaßes, die erste Formierung einer Wissensgesellschaft, schließlich die zweite Phase des Kolonialismus unter den imperialistischen Auspizien der 'Weltpolitik', die in das Ineinander von Nationalismus und Krieg mündete.
Die Arbeitsschwerpunkte liegen im Kernbereich der europäisch eingebetteten deutschen Geschichte unter Einschluss der Habsburgermonarchie; es sind Revolutionsforschung, Entstehung und Ausformung des Nationalismus, der Wandel der Medienöffentlichkeit (Presse, Propaganda, Zensur, Anfänge des Films) und die Umweltgeschichte.
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