Neueste Geschichte und Zeitgeschichte
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Aktuelle Lehrveranstaltungen

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Übung: "Thronfolger-Ungeduld" - Die Thronfolger in der Habsburgermonarchie 1858-1916

In den Erbmonarchien des 19. Jahrhunderts übernahm der Thronfolger eine Schlüsselposition, stand er (sehr selten: sie) doch alleine durch seine bloße Existenz für die Stabilität und den Fortbestand des Regierungssystems, welches auf den nahtlosen Übergang zwischen den Generationen angelegt war. Die Position war jedoch mit zahlreichen Problemen verbunden; so waren die fürstlichen Väter oft wenig erpicht, ihre Nachfolger in die Regierungsgeschäfte einzubinden, welche letztere in eine passive Position mit überraschend wenig agency brachte. Der Kronprinz konnte diese Zeit des Wartens jedoch in dem Wissen verbringen, dass sich seine hybride Situation (kein bloßer Prinz, aber auch kein König) am Tag X der Thronübernahme drastisch ändern würde.

In der Übung wird die Position und Bedeutung des Thronfolgers im „System“ Monarchie im Zeitraum 1858 bis 1914 in den Fokus gestellt. Anhand der drei letzten Thronfolger Österreich-Ungarns - Kronprinz Rudolf (1858-1889), Erzherzog Franz Ferdinand (1863-1914) und Karl (1887-1922) - werden neben theoretischen Überlegungen zu Waiting und Hybridität, (Elite-)Netzwerken sowie die Rolle von Gender bei der Thronfolge, auch verschiedene Etappen im Werden und Dasein der Thronfolger beleuchtet. Von der Geburt über Erziehung mit abschließender großer (Welt-)Reise als Wiederaufkommen der Grand Tour früherer Jahrhunderte bis hin zum Versuch, eine tragende Rolle in Politik oder Militär zu übernehmen, um schließlich im besten Falle den Thron besteigen zu können – oder davor zu sterben, womit die Stellung als Thronfolger vakant wurde und neu besetzt werden musste, was die Monarchie in größte Krisen stürzen konnte.