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Lisa Hellriegel, M.A.

Lisa Hellriegel, M.A.

Doktorandin

Dissertationsprojekt

Von Sittlichkeit zu Selbstbestimmung? Sexualisierte Gewalt vor Gericht, 1920er bis 1970er Jahre

Lisa Hellriegel erforscht in ihrem Promotionsprojekt, wie sich die gesellschaftliche und rechtliche Wahrnehmung von sexualisierter Gewalt an Personen über dem Schutzalter zwischen dem Beginn der Weimarer Republik und dem Ende der langen 1960er Jahre wandelte. Das bundesrepublikanische Vierte Gesetz zur Strafrechtsreform 1973 begriff sexualisierte Gewalt an Erwachsenen (§ 177 StGB, bis dahin „Notzucht“, ab dann „Vergewaltigung“) erstmals als Straftat gegen die „sexuelle Selbstbestimmung“, nicht mehr gegen die „Sittlichkeit“. Damit änderte sich die ein Jahrhundert lang vorherrschende Konzeption sexualisierter Gewalt im Strafrecht. Das Projekt von Lisa Hellriegel erklärt diesen Wandel mit der Rechtspraxis. Im Zentrum der Quellenarbeit stehen Gerichts- und Polizeiakten sowie medizinische und psychiatrische Gutachten, Zeitungsberichte und Egodokumente.

Kurzvita

Forschungsschwerpunkte

Sexualitätsgeschichte, Geschichte der sexualisierten Gewalt, Erinnerungskulturen, Oral History, deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts

Mitgliedschaften

Arbeitskreis Historische Frauen- und Geschlechterforschung e.V.; Gründungsmitglied der thematischen Arbeitsgruppe: "Gewalt im Geschlechterverhältnis in der Moderne"

Publikationen (Auswahl)

Vollständige Publikationsliste (Stand: Oktober 2026)

Aufsätze:

Das “Private” in der Öffentlichkeit – Franki Raffles und die Kampagne Zero Tolerance, in: Stiftung Historische Museen Hamburg (Hg.): Franki Raffles. Photography, Activism, Campaign Works, Hamburg 2026, S. 6; auch auf Englisch erschienen: The “Private” out in Public – Franki Raffles and the Zero Tolerance Campaign, in: ebd., S. 14.


Die Thematisierung von Macht, Sexualität und sexualisierter Gewalt in der Ausbildung evangelischer Pfarrer:innen in den westdeutschen Landeskirchen (1960 bis 1993) – ein zeitgeschichtlicher Problemaufriss, in: Forschungsverbund ForuM (Hrsg.): Abschlussbericht. Forschung zur Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt und anderen Missbrauchsformen in der Evangelischen Kirche und Diakonie in Deutschland, Weinheim/Basel 2025, S. 339-351.


mit Martin Wazlawik, Caroline Inhoffen, Fabienne André et al.: Mögliche institutionelle und evangelisch spezifische Phänomene der Ermöglichung, der Verdeckung und des Umgangs mit sexualisierter Gewalt, in: Forschungsverbund ForuM (Hrsg.): Abschlussbericht. Forschung zur Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt und anderen Missbrauchsformen in der Evangelischen Kirche und Diakonie in Deutschland, Weinheim/Basel 2025, S. 829-905.


mit Lucy Debus: Kollaborativ arbeiten. Ein Gespräch über feministische Perspektiven in der Forschung zum KZ-Außenlager Dessauer Ufer, in: WerkstattGeschichte 91 (2025), H. 1, S. 112–127.


mit Veronika Settele: Sophie "Sonny" von Engelbrechten. Bürgerliche Wohltätigkeit und koloniales Engagement, in: Norman Aselmeyer u. Virginie Kamche (Hg.), "Stadt der Kolonien". Wie Bremen den deutschen Kolonialismus prägte, Freiburg 2024, S. 96–100.


„Wider die Gewalt-Verhältnisse“. Sexualisierte Gewalt als Leerstelle der Ausbildung bundesdeutscher evangelischer Pfarrer*innen und die Intervention feministischer Theolog*innen (1980er und 1990er Jahre), in: Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg (Hrsg.), Zeitgeschichte in Hamburg 2023, Jahrbuch der Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg 2023, Hamburg 2024, S. 119-142.


mit Lucy Debus und Jonas Jakubowski: Zwischen Forschung, Vermittlung und politischem Engagement – die Initiative Dessauer Ufer, in: Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg (Hrsg.), Zeitgeschichte in Hamburg 2021. Nachrichten aus der Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg (FZH) 2021, Hamburg 2022, S. 123-138.


mit Yvonne Robel: „Es ging immer eher darum, Unschärfe zu erzeugen.“ Ein Gespräch mit Isabel Raabe und André Raatzsch über das RomArchive, in: WerkstattGeschichte (2022), H. 85, S. 77-86.

Herausgeberschaft:

mit Jonas Jakubowski und Susanne Wald, Projektgruppe Italienische Militärinternierte in Hamburg 1943–45: Zwangsarbeit bei den Hamburger Wasserwerken 1943–1945. Aus dem Tagebuch des italienischen Militärinternierten Marino Ruga (1920–2013), Hamburg 2023.

Handbuchartikel:

Archiv “Deutsches Gedächtnis”, in: Linde Apel/Stefan Müller (Hg.), Handbuch Oral History. Von A wie Aufnahmegerät bis Z wie Zuhören, Paderborn 2026, S. 101.


BIOS (Zeitschrift), in: Linde Apel/Stefan Müller (Hg.), Handbuch Oral History. Von A wie Aufnahmegerät bis Z wie Zuhören, Paderborn 2026, S. 112.

Blogbeitrag:

‘Woman’s Work’? What Debates about Policewomen in the Inter-War Period Tell Us about Contemporary Understandings of Sexual Violence, in: German Historical Institute London Blog, 26. Juni 2025.

Rezensionen:

Anna-Myrte Palatini, Sebastian Bischoff, „Sexuelle Revolutionen“. Eine historisch-politische Einführung, Schmetterling Verlag, Stuttgart 2025, 235 S., in: Arbeit – Bewegung – Geschichte Bd. 25 (2026), H. 1., S. 184-187.

Teresa Tammer, „Warme Brüder“ im Kalten Krieg. Die DDR-Schwulenbewegung und das geteilte Deutschland in den 1970er und 1980er Jahren (Quellen und Darstellung zur Zeitgeschichte, Bd.138), De Gruyter Oldenbourg, Berlin 2023, in: Arbeit – Bewegung – Geschichte, Bd. 24 (2025), H. 1., S. 153–156.

Habbo Knoch und Oliver von Wrochem (Hg.), Entdeckendes Lernen. Orte der Erinnerung an die Opfer der nationalsozialistischen Verbrechen. Festschrift für Detlef Garbe, Berlin 2023, in: Zeitschrift des Vereins für Hamburgische Geschichte 109 (2023), S. 209–211.

Tagungsberichte:

Citizen Science in der Stadtgeschichte, in: Stadtgeschichten. Ein Blog der Gesellschaft für Stadtgeschichte und Urbanisierungsforschung (08.12.2022), außerdem erschienen in: Moderne Stadtgeschichte (2023), H. 1, S. 152-157.


Achtes Netzwerktreffen-Oral History 2020, in: Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg (Hrsg.), Zeitgeschichte in Hamburg 2020. Nachrichten aus der Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg (FZH) 2020, Hamburg 2021, S. 159-166.

Ausgewählte Vorträge:

Sexualisierte Gewalt vor Gericht: Zur Konstruktion von Geschlecht im Strafverfahren (1920er–1960er Jahre), Tagung: Geschlecht im Recht. Perspektiven auf Differenz in der deutschsprachigen Justiz des 20. und 21. Jahrhunderts, Alfried Krupp Wissenschaftskolleg Greifswald, 17.09.2026.

Geschlecht vor Gericht: Vergewaltigungsprozesse zwischen „Sittlichkeit“ und Selbstbestimmung, 1930er bis 1950er Jahre, Kongress „Frauen- und Geschlechtergeschichte in Zeiten der Anfechtung von Demokratie, Diversität und Verantwortung“, Universität Bielefeld, 10.09.2026.

Gender on Trial: Rape in German Court Cases, 1920s–1950s, Tagung: Gender & Violence. Power Dynamics and their Representations, 19th–21st Centuries, Deutsches Historisches Institut Rom, 21.05.2026.

Grenzüberschreitungen in der Großstadt: Sexualisierte Gewalt vor Hamburger Gerichten, 1920er–1960er Jahre, Ringvorlesung: „Über Hamburg forschen, lesen, schreiben“, Universität Hamburg, 21.04.2026.

Heterosexuality between Norm and Transgression: Rape on Trial, 1920s–1950s, Workshop: Inventing, Expressing, Experiencing Sexuality. Critical Approaches Beyond the Dichotomy of Norm and Transgression, CRC Cultures of Vigilance, LMU München, 17.04.2026.

Between the Private and the Public: Sexual Violence in England and West Germany, 1920s–1960s, Seminar "Luttes, circulations et convergences: vers une histoire transnationale du genre en Europe au XXe siècle",
Sorbonne University Alliance, Paris, 26.03.2026.

Family Violence after Empire: Sexual Violence in Weimar and Nazi Germany, 1919–1945, Konferenz “Imperial Experiences in Family Violence. Crime and Criminology in 19th-20th Centuries”, Vilnius, 16.12.2025.

“Heterosexualität als soziale Praktik der Hochmoderne”, mit Veronika Settele, Kolloquium “Geschichte schreiben. Neue Themen und Forschungsansätze in der Diskussion”/"After Hours" des Interdisziplinären Zentrums für Geschlechterforschung, Universität Greifswald, 09.12.2025

Zwischen Privatheit und Öffentlichkeit. Sexualisierte Gewalt in deutschen Städten, 1920er–60er Jahre, Tagung "(Un-)Verletzte Körper. Versehrtheit und Unversehrtheit in der Moderne", Universität Augsburg, 09.10.2025.

Unlikely Alliances? NVA, AMSH and (Feminist) Activism against Child Sexual Abuse, 1930s and 1950s, Workshop 1885 and Its Long Shadow: Sexual Offences in Historical Context, The Open University Legal Histories Research Cluster and the British Sociological Association Global Histories and Sociology Study Group (online), 11.07.2025.

Von Sittlichkeit zu Selbstbestimmung? Eine Geschichte sexualisierter Gewalt in deutschen und englischen Großstädten, 1920er bis 1960er Jahre, Kolloquium Kultur/Geschichte: Politik, Bild, Materialität, Universität Bielefeld, 12.06.2025.

Wissen über Gewalt. Polizeiliche, medizinische und gesellschaftliche Perspektiven auf sexualisierte Gewalt in deutschen und englischen Großstädten (1920er–1960er Jahre), Hamburger Vorlesungen zur Wissensgeschichte, 07.05.2025.

Frühe Politisierungen. Auseinandersetzungen der bürgerlichen englischen Frauenbewegung mit sexualisierter Gewalt an Mädchen, 1930er bis 1950er Jahre, Sechste Jahrestagung des AK Sexualitäten in der Geschichte, 25.04.2025.

Grenzüberschreitungen in der Großstadt. Sexualisierte Gewalt in deutschen und englischen Städten, ca. 1920 bis 1970, Colloquium zur Zeitgeschichte, Freie Universität Berlin, 13.02.2025.

Grenzüberschreitungen in der Großstadt: Sexualisierte Gewalt in Hamburger Gerichtsakten, ca. 1919–1937, Forum Stadtgeschichte 2024, Salzburg, 16.11.2024.

Writing an Urban History of Sexual Violence. Rape Trials in German and English Cities, 1920s–1960s, Deutsches Historisches Institut London, 15.10.2024.

Between Consent and Violence. What Court Files Tell Us About Sexual Practices in German Cities, c. 1920s-30s, Workshop „Beyond Norms and Categories. Towards a History of Sexual Practices, 1850-1960", Universität Bremen, 20./21.02.2024.

Ungarische Deportierte im norddeutschen Raum. Das Außenlager Dessauer Ufer und die weiblichen KZ-Häftlinge, mit Lucy Debus, Institut für die Geschichte der deutschen Juden, 08.06.2023.

Geschlechterbilder im Gespräch – Eine Sekundäranalyse von Oral History-Interviews mit KZ-Überlebenden, Netzwerktreffen Oral History, 06.05.2022.

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